Katalog

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Fleck, Ralph
(Freiburg 1951 - lebt in Freiburg)
Schlachthofbild 1/II. Öl auf Leinwand. 1983. 200 x 150 cm.
Verso signiert, datiert u. betitelt.

Ausgestellt und abgebildet in: Ralph Fleck. Malerei. München, Galerie Hermeyer, 1985, S. 19. - Fleck arbeitet seit den 80er Jahren in Bildserien, die ganz unterschiedlichen Themenkreisen entspringen. Seine kraftvollen, farbgewaltigen Bilder zeigen Seestücke, Landschaften, Stadtansichten oder Figuren und suchen dabei unkonventionelle Orte oder ungewohnte Perspektiven. "Es ist ein schmaler Grat der Schönheit, den Ralph Fleck begeht. Immer wieder lassen sich die eruptiven Farbaufhäufungen auch in bunte Müllhalden oder drastische Schlachthofbilder verwandeln, oder es ragt in einem Reisebild ein Atomkraftwerk auf. Dabei folgt der Künstler, die objektivierbaren Dinge skeptisch beobachtend, seiner analytischen Intuition und seiner künstlerischen Spontaneität. Er verhält sich neutral, wertet nicht, im Gegenteil: Die Faszination für die Negativchiffren unserer Gesellschaft ist mindestens so groß wie die für die besonnten Naturschauspiele und imposanten Stadtkulturen, die noch nicht einmal durch die Präsenz von Menschen getrübt wird." (Günter Baumann, Rede zur Ausstellung: Ralph Fleck - Bilder aus drei Jahrzehnten, Kulturzentrum Schloss Bonndorf, 2011) - Seine durch einen pastosen, kraftvollen Farbauftrag ausgezeichneten Schlachthofbilder erweisen sich in der Nahsicht als opulente, gestische Abstraktionen und offenbaren erst in der Fernsicht ihr Motiv. "Es geht zunächst um eine wichtige, immer wieder für die Malerei fruchtbar gemachte Seherfahrung, dass die Dinge aus weiter Entfernung deutlich hervortreten und mit zunehmender Nähe zum strukturellen Detail sich wandeln. Radikal artikuliert sich das in Flecks Pflanzenbildern und Feldstücken. Hier überlässt der Maler sich ganz der optischen Nahsicht und ist unbedingt dem Farberlebnis zugewandt, das immer mehr von der einengenden, umreißenden, skizzierenden Form absieht und sich auf die selbst Form werdende Farbe konzentriert. Und hier erkennt der Betrachter im Gegenzug erst aus größerer Distanz das bildauslösende Motiv, in das er beim Näherkommen buchstäblich eintaucht bis zur Auflösung jeglicher Formvorgabe. Aber die Erfahrungen gelten prinzipiell auch für die Distanzansichten der Stadt- und Naturlandschaften, die eine ähnliche Erkenntnis ermöglichen. Was aus dem Abstand als scheinbar realistisches Porträt eines Stadtteils oder eine Landschaft erscheint, erweist sich bei näherer Sicht zugleich als dessen farbstrukturelle Analyse der formalen Erscheinung und ihrer darin eingebundenen emotionalen Qualitäten." (Lothar Romain, Die Struktur der Farbe). Diese entfesselten Emotionen spiegeln sich auch in unserem Schlachthofbild wieder, dessen dynamischer Farbauftrag vollkommen adäquat in der dargestellten Thematik aufgeht und so die Bildschöpfung zur Vollkommenheit führt. Fleck studierte von 1973 bis 1978 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und war Meisterschüler bei Peter Dreher. Seit 2003 ist er Professor für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Ein kleiner Farbverlust.
Schätzpreis: 1.500 €