Katalog

Alle Werke (500)
70
Behrens-Hangeler, Herbert
(Berlin 1898 - 1981 Fredersdorf)
Selbstbildnis mit Modell. Öl auf Hartfaser. 1960. 60 x 40 cm. Gerahmt.
Monogrammiert u. datiert.

Behrens-Hangeler, Mitbegründer der Künstlergruppe "Wurf" in Bielefeld, übersiedelte 1920 nach Berlin, wo er von Georg Tappert, Hans Baluschek und Lovis Corinth unterrichtet wurde. Als Mitglied der Novembergruppe war er auch in der Jury der Großen Berliner Kunstausstellungen aktiv. Unter den Nationalsozialisten als "entarteter Künstler" diffamiert, lehrte er nach dem Zweiten Weltkrieg als Dozent an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. - "Abstraktion oder Gegenständlichkeit betrachtete Hangeler zeitlebens mehr als Modusfragen denn als Prinzip. Die Musikalität seiner Bildform war das Hauptanliegen. Farbkomplimentäre Flächenrhythmik steht am Anfang, der unter dem Stern Klees und Kandinskys und Muches aufgeht. Seine Abstraktion ist eine lyrische und kompositorische Ausdrucksweise ebenso wie die hautnahe Gegenstandstreue seiner Werke der Neuen Sachlichkeit. Im Fortgang der zwanziger Jahre kam er von Georges Braques entspannten malerischen Variationen des Synthetischen Kubismus zu reichen Flächenverschränkungen in kühler Geistigkeit der Farbklänge." (Diether Schmidt, Herbert Behrens-Hangeler. Leipzig, Galerie am Sachsenplatz, 1981, S. 9). - Mit einer weichen, geschwungenen Linie unterteilt der Künstler die Bildfläche und schafft so ein Doppelporträt von seinem Modell (Front und Seite) und von sich selbst im Profil am linken Rand. Die daraus resultierenden Überschneidungen und Strukturen der Linien vermag der Künstler in einem freien Farbenspiel zu nutzen, ohne sich dabei von seinem Sujet in aller Gänze lösen zu müssen: ein farbenfroher und zugleich heiterer Wechsel, der mit dem Reiz realer Motivik und der Musikalität der Farben spielt. In Behrens-Hangelers Werken "erreicht die Transparenz als Prinzip sowohl der Flächenschichtung (in der Wirkung farbigen Glasfenstern nahestehend) als auch der Durchdringung der körperlichen Elemente [...] die großartigste Ausprägung." (Rainer Behrends, Ebd., S. 13). - Vereinzelt leichtes Craquelé. Ein kleiner Farbverlust.
Schätzpreis: 2.000 €
73
Beuys, Joseph
(Krefeld 1921 - 1986 Düsseldorf)
Hand-/ Eckenaktion & Anatol Herzfeld: Der Tisch. Original 16-mm-Film u. Original 1/4-Zoll-Tonband. 1968. In mit Ölfarbe (Braunkreuz) bemalter Metallfilmdose. 19,1 x 19,1 x 4,1 cm.
Auf einem Etikett von Beuys u. Anatol Herzfeld sowie von Ulrich Meister, Joachim Duckwitz u. Johannes Stüttgen signiert sowie in rotem Farbstift bezeichnet "Master / 16 mm".

Provenienz: Dietmar Kirves, Berlin; Armin Hundertmark, Köln. - Diese Bänder dienten als Master für die Super-8- und Tonbandkopien des Multiples "Der Tisch", welches 1971 in einer Auflage von 200 Exemplaren vom Vice Versand, Remscheid, herausgegeben wurde (vgl. Schellman 41). Sie dokumentieren eine öffentliche Aktion von Beuys und Herzfeld mit den Studenten Duckwitz, Stüttgen und Meister vom 5. Dezember 1968 im Düsseldorfer Szenelokal "Creamcheese". Das Bild- und Tonmaterial, aufgezeichnet von Dietmar Kirves, ist bewusst asynchron und kann beim Abspielen beliebig gegeneinander versetzt werden, so dass immer neue Fassungen bzw. Kompositionen entstehen. Für die Aktion fertigte Herzfeld einen Stahltisch, der mittig im Bühnenraum platziert wurde. An ihm saßen, durch Stahlschellen am Tisch gefesselt, Joachim Duckwitz, Ulrich Meister und Johannes Stüttgen. Vor ihnen waren grüne und rote Lämpchen angebracht, die Herzfeld, links in der Ecke des Raumes, mit einem Schaltpult steuerte. Je nachdem, welche Lampe vor den Sitzenden aufleuchtete, waren sie zum Sprechen (grün) oder Schweigen (rot) aufgefordert. In der rechten Ecke des Raumes stand Beuys, der - scheinbar unabhängig vom Geschehen am Stahltisch - in ungelenken Bewegungen mit seinen Händen und Armen wild gestikulierte. Seine Mimik war dabei bis zur Starrheit zurückgenommen. In einem schnellen, mal anschwellenden, mal zurückgenommenen Rhythmus hielt Beuys die Bewegung über die gesamte Dauer der Aktion aufrecht und stand nach anderthalb Stunden schweißgebadet vor dem Publikum.
Schätzpreis: 8.000 €