Katalog

Alle Werke (500)
243
Kirchner, Ernst Ludwig
(Aschaffenburg 1880 - 1938 Frauenkirch bei Davos)
o.T. (In der Hängematte). Farbige Kreiden auf chamoisfarbenem Papier. Um 1910. 16,4 x 20,3 cm, im Passepartout freigestellt. Unter Glas gerahmt.
Signiert. Verso Nachlaßstempel, dort handschriftlich bezeichnet "FS Dre / Bf 21" u. nummeriert "K6570" u. "6219".

Die Arbeit ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, registriert. - Gezeichnet auf der Rückseite eines Briefbogens des Kaiserlichen Postamtes Aurich. - Von 1909 bis 1911 machte Ernst Ludwig Kirchner gemeinsam mit Erich Heckel und Max Pechstein wiederholt Ausflüge zu den Moritzburger Seen bei Dresden. Hier fanden die Brücke-Künstler einen Ort, der ihren Vorstellungen von einem naturverbundenen Leben und dem ungezwungenen Umgang mit Körperlichkeit entsprach. Dem Ziel, einen unmittelbaren, von der akademischen Tradition losgelösten Zugang zur Malerei zu finden, kamen sie durch den Verzicht auf professionelle Modelle nach. Vielfach zeichneten und malten die Brücke-Künstler die zwei jungen Mädchen Fränzi und Marcella. Ihre kindlich-ungestellten Bewegungen veranlassten sie zu einem spontaneren und schnellen Arbeiten. Die vorliegende Zeichnung zeigt vermutlich Fränzi schaukelnd in der Hängematte - ein Motiv, das Kirchner mehrfach interpretierte. Er erprobte dabei das spontane Erfassen des Geschehens und bannte das Mädchen mit wenigen, kräftigen Strichen auf das Papier. - Die untere linke Ecke fachmännisch restauriert.
Schätzpreis: 15.000 €
256
Kolbe, Georg
(Waldheim in Sachsen 1877 - 1947 Berlin)
Auferstehung. Bronze mit schwarzbrauner Patina. 1919/20. 76 x 13,5 x 17 cm.
Monogrammiert. Mit dem Gießerstempel "H. Noack Berlin Friedenau".

Berger 36 - Mit einem zusätzlichen Gutachten von Frau Dr. Ursel Berger, Berlin, vom 30. April 2018 (in Kopie). - Provenienz: Privatsammlung Deutschland; Leonard Hutton Galleries, New York; Senior & Shopmaker Gallery, New York; Privatsammlung USA (bis 2018); Sammlung Berlin. - Einer von nur 10 Güssen aus den Jahren 1920-1923, die über die Galerie Paul Cassirer, Berlin, verkauft wurden. - 1923 schilderte Luigi Morandi, nach einem Atelierbesuch bei Kolbe, dessen entscheidenden Gestaltungswandel: "Auch Kolbe hat sich von der Ausdruckskunst befreit, von der er herkam [...]: er ist Poet geworden, lyrischer, asketischer. Seine Augen sehen nun tiefer als vorher [...] Seine Werke zeigen nun nicht mehr nur zwei Dimensionen, sie streben in die Höhe." Der introvertierte und zugleich kraftvoll aufstrebende Charakter dieser bedeutenden Plastik wird zusätzlich formal von der glatten und in sich geschlossenen Oberflächenstruktur dieses Lebenszeitgusses gestützt. "Diese Gestalten lassen sich nicht mehr treiben, wie die Tänzerin, sie haben sich kraft eigenen Willens von der Erde erhoben", schrieb der Kunsthistoriker Wilhelm R. Valentiner, der die erste Kolbe-Monografie veröffentlichte und als Direktor des Detroit Institute of Arts schon früh Werke des Künstletrts in amerikanische Sammlungen vermittelte.
Schätzpreis: 90.000 €