Alle Werke (37)
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Beuys, Joseph
(Krefeld 1921 - 1986 Düsseldorf)
Hand-/ Eckenaktion & Anatol Herzfeld: Der Tisch. Original 16-mm-Film u. Original 1/4-Zoll-Tonband. 1968. In mit Ölfarbe (Braunkreuz) bemalter Metallfilmdose. 19,1 x 19,1 x 4,1 cm.
Auf einem Etikett von Beuys u. Anatol Herzfeld sowie von Ulrich Meister, Joachim Duckwitz u. Johannes Stüttgen signiert sowie in rotem Farbstift bezeichnet "Master / 16 mm".

Provenienz: Dietmar Kirves, Berlin; Armin Hundertmark, Köln. - Diese Bänder dienten als Master für die Super-8- und Tonbandkopien des Multiples "Der Tisch", welches 1971 in einer Auflage von 200 Exemplaren vom Vice Versand, Remscheid, herausgegeben wurde (vgl. Schellman 41). Sie dokumentieren eine öffentliche Aktion von Beuys und Herzfeld mit den Studenten Duckwitz, Stüttgen und Meister vom 5. Dezember 1968 im Düsseldorfer Szenelokal "Creamcheese". Das Bild- und Tonmaterial, aufgezeichnet von Dietmar Kirves, ist bewusst asynchron und kann beim Abspielen beliebig gegeneinander versetzt werden, so dass immer neue Fassungen bzw. Kompositionen entstehen. Für die Aktion fertigte Herzfeld einen Stahltisch, der mittig im Bühnenraum platziert wurde. An ihm saßen, durch Stahlschellen am Tisch gefesselt, Joachim Duckwitz, Ulrich Meister und Johannes Stüttgen. Vor ihnen waren grüne und rote Lämpchen angebracht, die Herzfeld, links in der Ecke des Raumes, mit einem Schaltpult steuerte. Je nachdem, welche Lampe vor den Sitzenden aufleuchtete, waren sie zum Sprechen (grün) oder Schweigen (rot) aufgefordert. In der rechten Ecke des Raumes stand Beuys, der - scheinbar unabhängig vom Geschehen am Stahltisch - in ungelenken Bewegungen mit seinen Händen und Armen wild gestikulierte. Seine Mimik war dabei bis zur Starrheit zurückgenommen. In einem schnellen, mal anschwellenden, mal zurückgenommenen Rhythmus hielt Beuys die Bewegung über die gesamte Dauer der Aktion aufrecht und stand nach anderthalb Stunden schweißgebadet vor dem Publikum.
Limitpreis: 7.000 €
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Götz, Karl Otto
(Aachen 1914 - 2017 Wolfenacker im Westerwald)
Hommage à Lautréamont (Maldoror). Gouache auf festem Karton. 1961. 64,8 x 100 cm. Unter Glas gerahmt.
Signiert. Verso signiert, datiert u. betitelt.

Die Arbeit wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier und Karton der K.O. Götz und Rissa-Stiftung aufgenommen. - Abgebildet in: Karl-Otto Götz. Artikel von Edouard Jaguer in der Zeitung Combat vom 17. September 1962 sowie in: Karl Otto Götz. Erinnerungen und Werk. Düsseldorf 1983, Bd. 1b, S. 918, Abb. 1036 und S. 941. - Durch seine Gemälde und Gouachen mit gerakelter Farbe wurde Götz einer der wichtigsten Vertreter des Informel und des Action Paintings. Ab den 50er Jahren entstanden Werke mit zentrierten Formelementen oder energiegeladenen Bewegungen. Will Grohmann beschrieb 1962 seine Technik: "Götz schreibt - nach seinen eigenen Worten - mit flüssiger Farbe (er spricht von Mischtechnik) und mit breitem Pinsel seine Faktur auf den hellen Grund (Positivform), dann reisst er mit einem schmäleren oder breiten Instrument diese Farbschwemme auf (Negativform), um zuletzt (dritter Vorgang) mit trockenem Pinsel in das noch nasse Bild hineinzuschreiben. Nachträgliche Veränderungen oder Retuschen sind nicht erlaubt, weil sie die Einmaligkeit des Prozesses aufheben würden. Das Bild entsteht nach vorausgehender intensiver Meditation sehr rasch, in Sekunden, plus der Zeit der Kontrolle nach jedem der drei Malprozesse. Ist es nicht gelungen, wird es ausgelöscht. [...] Das Bild und sein Entstehungsprozess tauchen also tief in das Irrationale, in das Metaphysische ein, beziehen sich auf etwas, was jenseits unseres Tuns und Denkens steht." (Grohmann, in: Ausst.-Katalog Galleria L'Attico, Rom, 1962) Das Irrationale und das Unbewusste charakterisieren auch die "Gesänge des Maldoror" des französischen Dichters Lautréamont, dem Götz die vorliegende Arbeit widmete. Lautréamont, eigentlich Isidore Lucien Ducasse, der aus Angst vor der Zensur ein Pseudonym verwendete, lebte im Paris der 1860er Jahre. Einem größeren Publikum bekannt wurde er erst 50 Jahre später als die Surrealisten seine "Gesänge" entdeckten und als Vorreiter ihrer Ideen feierten.
Limitpreis: 10.000 €