Alle Werke (500)
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Paeffgen, Claus Otto
(1933 Köln 2019)
Ingres. Acryl auf Holzkiste u. Collage, Offset auf Karton. 1969. 55,5 x 35 x 11,5 cm.
Die Collage signiert u. datiert. Die Kiste verso monogrammiert, betitelt u. mit Widmung versehen.

Provenienz: Privatsammlung Hessen. - Ganzseitig abgebildet in: C.O.Paeffgen. Obst- und Gemüsekisten erzählen. Hamburg, Galerie Levy, 2018, S. 6-7 sowie abgebildet in: Sehr Schön. C.O. Paeffgen. Remagen, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 2013, S. 94. Der 1933 in Köln geborene Paeffgen studierte zunächst Jura in Berlin, bevor er sich Ende der 1960er Jahre der Kunst zuwandte. In diese Anfangszeit fällt eine später stetig weiterentwickelte Werkgruppe unter der kurzen Formel "sehr schön", die bereits das gesamte künstlerische Programm C.O. Paeffgens enthält. Der Schriftzug findet sich auf zahlreichen Werken des Künstlers wieder, mit scheinbar unendlicher Fantasie und den unterschiedlichsten Alltagsgegenständen kombiniert, z.B. einer Fahne, einem Pflasterstein, einer Reproduktion der Pyramiden von Gizeh oder als bildfüllendes Sujet. Durch Paeffgens Kombination der Gegenstände ergeben sich Sinnzusammenhänge und Assoziationen, die, in einem Spannungsfeld zwischen Ironie und Banalität, keine festgeschriebene Bildaussage zulassen. - "In ähnlichem Sinne bedient er sich der Schriftsprache, etwa der beiden Worte "sehr schön", die er auf Objekte und Bildvorlagen druckt oder schreibt. [.] In ihrer Trivialität erinnern diese Worte an Andy Warhols "all is pretty": alles erscheint kunstwürdig. [.] Unterschiedslos thematisiert er Kitschiges und Peinliches, Zeremonielles und Bedeutendes und überführt es in eine eigene neue Bilderwelt, die alle Aspekte und Medienwirklichkeit umfasst. Mit einem fast liebevollen Blick vereint Paeffgen wichtige und unwichtige Personen und Gegenstände, Politiker, Alltagsmenschen, Stars, Verbrecher und Prominente zu einer Comédie humaine. Nichts ist trivial, alles gleichermaßen bedeutend, oder alles ist gleichermaßen trivial." (Seelig; in: C.O.Paeffgen aus der Sammlung Großhaus, 2010, S. 17f.) - Auch der Rückenakt in unserem vorliegenden Wandobjekt "Ingres" ist mit breitem Pinselstrich beschrieben. Es handelt sich um die "Badende von Valpinçon", ein kunsthistorischer Klassiker, den Jean-August-Dominique Ingres 1808 schuf. Sorgsam hat Paeffgen die Figur ausgeschnitten und in eine mit dicker, rosa Farbe überzogene Obstkiste gesetzt. An die Stelle eines luxuriösen Bades, behangen mit edlen Stoffen, tritt die Banalität eines Alltagsgegenstandes. Die Obstkiste, untrennbar mit Ihrer Funktion auf wuseligen Wochenmärkten verbunden, ist eine zurückgelassene, verbrauchte Verpackung, die im krassen Gegensatz zu ihrem neuen Inhalt steht. Alltag und Hochkultur treffen direkt aufeinander, vermittelt durch eine dicke Schicht rosa Farbe, die die Herkunft der Kiste ad absurdum führt. In diesem Durcheinander aus Materialität, Farbigkeit und kunsthistorischer Referenz verspricht der Schriftzug auf der Badenden erlösende Eindeutigkeit. "Doch Vorsicht!", wie Thomas Gädeke schreibt: "Vor Hintersinn sind wir nicht gefeit." (Gädeke, in: C.O.Paeffgen aus der Sammlung Großhaus, 2010, S. 6)
Zuschlagspreis: 5.200 €
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Penck, A.R.
(Dresden 1939 - 2017 Zürich)
Wasser gegen Feuer. Acryl auf Baumwollstoff. 1969. 110 x 110 cm. In Künstlerleiste gerahmt.
Monogrammiert "R" u. betitelt.

Provenienz: Vom Vorbesitzer 1980 in der Galerie Michael Werner, Köln, erworben (Original-Rechnung beiliegend). - Wir danken Herrn Dr. Ulf Jensen für die freundlichen Auskünfte zur Datierung. - Penck, der als Ralf Winkler 1939 in Dresden geboren wurde, blieb in der DDR ein Hochschulstudium verwehrt. So wandte er sich als Autodidakt der Kunst zu, verdiente seinen Lebensunterhalt zunächst als Briefträger, Heizer und Nachtwächter und war ab 1953 Mitglied der Künstlergruppe "Erste Phalanx Nedserd". Als Penck schließlich in den 60er Jahren in Westdeutschland erste Erfolge verbuchte, geriet er zunehmend in das Visier der Staatssicherheit. Um ungewollter Aufmerksamkeit durch die Behörden zu entgehen, verwendete er unterschiedliche Pseudonyme. Neben "Mike Hammer", "Mickey Spilane" oder "Theodor Marx", nannte er sich ab 1966 nach dem Geologen und Eiszeitforscher Albrecht Penck A.R. Penck. 1980 wurde er aus der DDR ausgebürgert und lebte in Kerpen, London, Düsseldorf und Dublin. - Künstlerisch ging es Penck um eine universelle Bildsprache, die unabhängig von Kultur und Bildung verstanden werden kann. Seine Strichmännchen, Zeichen, Zahlen, Buchstaben und Pfeile sind signalhafte Archetypen, die eine eindeutige und leicht reproduzierbare Bildaussage schaffen sollen. Auch "Wasser gegen Feuer" ist chiffrenhaft reduziert. Vor wogende blaue Wellen ist eine feuerrote Figur gesetzt. Ihr Gesicht, ein schwarzes Kreuz, und der Körper sind mit den Silben "AU" übersät. Energisch gespreizte Finger betonen die Schmerzenslaute und lassen das Konträre der Elemente Wasser und Feuer spürbar werden. Die Gleichwertigkeit beider Elemente symbolisiert eine Waage, der farbcodierte Titel am unteren Bildrand lässt auf die Inkompatibilität einer Person (Feuer) mit ihrer Umgebung (Wasser) schließen. Vor dem Hintergrund der Repressalien, die Penck in der DDR erfahren musste, darf diese Botschaft von 1969 durchaus politisch verstanden werden. - Die untere rechte Ecke mit kleinen Flecken. Vereinzelt leichte Haarrisse.
Zuschlagspreis: 95.000 €