Los 307 aus unserer Frühjahrsauktion am 25. April 2026
Strandburg II. Öl auf Leinwand. 1972. 105 x 130,5 cm. In Künstlerleiste gerahmt.
Signiert u. datiert.
Ticha 72/2 – Mit “Strandburg II” schuf Hans Ticha ein Schlüsselwerk, in dem sein charakteristischer Stil – angesiedelt zwischen Pop Art, Konstruktivismus und grafischer Strenge – bereits voll ausgebildet erscheint. Vor allem maritime Motive mit Booten, Fischern und Badenden an den Ostseestränden prägen seine frühen Arbeiten um 1970. Sie bestechen durch eine feinsinnige Ironie, eine nahezu enzyklopädische Präzision der Form und die leuchtende Klarheit der Farbgebung.
Der Strand, traditionell ein Ort der Leichtlebigkeit, wird in diesem Gemälde jedoch zum Schauplatz stiller Spannung. Die überdimensionierte organische Struktur im Vordergrund, die ineinander verschränkten Körper sowie die streng gezogene Horizontlinie erzeugen ein Gefühl von Begrenztheit und Kontrolle. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die zentrale Figur des Liegenden mit Feldstecher, dessen Blick wie ein unsichtbarer Ordnungsrahmen über die Szenerie gelegt ist. In der DDR wurde Ticha als Künstler mit einer klaren, beinahe plakativen Bildsprache bekannt. Seine Werke spielen mit den Symbolen des Sozialismus, während sie zugleich dessen ästhetische und ideologische Setzungen subtil hinterfragen. So lässt sich unser Gemälde nicht nur als Strandlandschaft lesen, sondern ebenso als ein gedanklicher Bühnenraum, in dem Alltagsgegenstände zu Chiffren werden und das vermeintlich Vertraute in eine fremde, artifizielle Welt überführt wird.
In Böhmen geboren und in der DDR aufgewachsen, studierte Ticha Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und arbeitete ab 1970 als freischaffender Künstler in Ost-Berlin. Nach der politischen Wende zog er 1990 nach Mainz und lebt seit 1993 in Maintal bei Frankfurt am Main. Auch im Westen fand sein Werk rasch große Anerkennung: Museen und Sammlungen in ganz Deutschland widmen sich heute seinem umfangreichen Oeuvre, das Malerei, Druckgrafik und Plakatkunst umfasst. Zuletzt ehrte die Kunsthalle Rostock Ticha mit einer umfassenden Retrospektive, die die Bedeutung seines unverwechselbaren Bildkosmos eindrucksvoll unterstreicht.
Schätzpreis: 18.000 €
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