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AUCTION 64: 25 April 2026
12 p.m.
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Los 111 aus unserer Frühjahrsauktion am 25. April 2026

Günter Haese
(Kiel 1924 – 2016 bei Hannover)

Sesam. Messing. 1987. 24 x 17 x 18,5 cm. Auf Acrylglassockel (Höhe: 1,2 cm).

Postel 231 – Unikat. – Provenienz: Privatsammlung Zürich; Privatsammlung Norddeutschland.

Günther Haeses Skulptur zeugt von großer poetischer Präzision, die exemplarisch für sein Oeuvre steht: ein fragiles Gefüge aus Metallgewebe, filigranen Drähten und kleinen, scheibenartigen Elementen, das sich wie eine schwebende Architektur im Raum entfaltet. In unserer Arbeit verband Haese mehrere organisch anmutende Körperformen – zugleich an Kapseln, Samenkammern oder Kokons erinnernd – zu einem kompakten Ensemble. Der Titel “Sesam” deutet bereits auf ein Motiv des Öffnens und Enthüllens hin: Die Skulptur wirkt wie ein Behältnis für etwas Unsichtbares, wie ein Speicher von Energie oder Erinnerung.
Haeses Arbeiten sind geprägt von einer einzigartigen Balance zwischen technischer Konstruktion und beinahe biologischer Lebendigkeit. Das feinmaschige Metallgewebe lässt die Körper transparent erscheinen; Licht durchdringt die Formen, zeichnet ihre Umrisse nach und macht die Skulptur zu einem sensiblen Resonanzkörper für die Umgebung. Je nach Standort verändert sich ihr Erscheinungsbild: Aus der Ferne wirkt “Sesam” geschlossen und monumental, aus der Nähe eröffnet sich ein Innenraum aus Linien, Knotenpunkten und rhythmischen Wiederholungen.
Charakteristisch ist die Spannung zwischen Stabilität und Verletzlichkeit. Obwohl das Werk aus industriellen Materialien besteht, vermittelt es eine überraschende Zartheit, die durch eine kleinste Bewegung in Schwingung gerät. Die kugeligen Verdichtungen und die schematischen, molekülartigen Verbindungen im Inneren erzeugen Assoziationen an Naturwissenschaft, Mikrokosmos und Wachstum, ohne je illustrativ zu werden. Haese gelingt damit eine Form von “Zeichnung im Raum”, die sich zwischen Skulptur, Konstruktion und imaginärem Organismus bewegt.

Schätzpreis: 15.000 €

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