Los 58 aus unserer Frühjahrsauktion am 25. April 2026
Die Versuchung des Heiligen Antonius I. Öl auf Hartfaser. 1958. 21,7 x 17,1 cm. Mit Original-Künstlerrahmen (25,7 x 21 cm).
Zweifach signiert u. datiert.
Litt 58-34 – Abgebildet in: Gerhard Wolf, Albert Ebert. Wie ein Leben gemalt wird, Berlin (Ost) 1974, Abb. 22, S. 20 (das Buch beigegeben).
Eberts Gemälde ist eine moderne Interpretation des Antonius-Motivs, ein seit dem Mittelalter immer wieder aufgegriffenes Bildthema der europäischen Kunst, und knüpft an die Tradition der berühmten Bilder von Hieronymus Bosch an. Im Zentrum der Komposition steht die hoch aufragende Gestalt des Heiligen als kontemplativer Gegenpol zum Geschehen. Das aufgeschlagene Buch in seinen Händen verweist auf seine geistige Widerstandskraft. Die eigentliche Versuchung manifestiert sich in den grotesken Mischwesen, die Antonius umringen. Mit Klauenhänden, langgezogenen Schnauzen, reptilienhaften Körpern und karikierenden Fratzen bevölkern sie den Vorder- und Mittelgrund. Diese Kreaturen wirken wie Chiffren innerer Mächte: Triebhaftigkeit, Angst, Verführung, Aggression. Auffällig ist die Vielfalt der phantastischen Wesen, die Antonius zu umkreisen, zu beobachten, zu bedrängen scheinen, ohne den Heiligen tatsächlich zu überwältigen.
Besonders eindrucksvoll ist die Rauminszenierung: Die Szene spielt an einem unwirklichen Ort, umgeben von hohen Felswänden, der Übergang zum unteren Bildrand wird durch eine Wasserfläche markiert, die den im Zentrum stehenden Heiligen spiegelt und dem Bild eine zweite, instabile Wirklichkeitsebene hinzufügt. Spiegelungen und Dunkelzonen verstärken den Eindruck einer Vision, eines Traums oder einer psychischen Grenzsituation. Der religiöse Inhalt wird so existenziell aufgeladen: Nicht der äußere Angriff steht im Vordergrund, sondern die innere Widerstandskraft. Eberts Malweise wirkt bewusst reduziert und konzentriert, wodurch er der märchenhaften Szene eine Bildwirkung verleiht, die zugleich archaisch und erzählerisch ist.
Schätzpreis: 12.000 €
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