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AUCTION 64: 25 April 2026
12 p.m.
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Los 255 aus unserer Frühjahrsauktion am 25. April 2026

Anton Räderscheidt
(1892 Köln 1970)

Stilleben mit blauer Vase und drei Tulpen. Öl auf Leinwand. Um 1923. 57,5 x 43,5 cm. Gerahmt.
Signiert.

Die Arbeit wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Gemälde von Prof. Dr. Wulf Herzogenrath, Berlin, unter der Nummer “1923-016” aufgenommen. – Provenienz: seit 1990 Galerie Valentin, Stuttgart; Privatsammlung.

In den Jahren unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg fand Räderscheidt seinen Platz innerhalb der avantgardistischen Kunstlandschaft der Weimarer Republik. Seine nüchtern präzise Malweise steht in enger Verbindung mit der Neuen Sachlichkeit, jener in den 1920er Jahren entstandenen Bewegung, die sich bewusst vom emotionalen Gestus des Expressionismus abgrenzte und stattdessen auf Klarheit, Distanz und analytische Beobachtung setzte. Geprägt wurde der Begriff 1925 von Gustav Friedrich Hartlaub anlässlich der programmatischen Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim, in der zahlreiche Künstler präsentiert wurden, die diese sachlich-kritische Haltung teilten. Auch Räderscheidt war an dieser Ausstellung beteiligt und gilt als einer der prägenden Vertreter der Bewegung. Während jedoch viele der sogenannten Veristen ihren Blick auf sozialkritische und gesellschaftspolitische Themen richteten, entwickelte Räderscheidt eine eigenständige, zurückgenommene Bildsprache. Seine Motive – seien es Figuren, Interieurs oder Stilleben – sind bewusst reduziert, scharf konturiert und von einer nahezu statuarischen Ruhe geprägt, die jede Form von pathosgeladenem Realismus meidet.
Auch das vorliegende Stilleben mit drei Tulpen ist um eine schlicht gestaltete, tiefblaue Vase zentriert, die den Bildraum ruhig zu beherrschen scheint. Die reduzierte Anordnung der Elemente und der klare kompositorische Aufbau lassen die Bildgegenstände als autonome Objekte erscheinen. Die intensive Gegenüberstellung von leuchtendem Rot und tiefem Blau verleiht der Darstellung eine prägnante chromatische Spannung, ohne jedoch die sachliche Grundhaltung aufzulösen. Die Tulpen wirken beinahe skulptural, als richte der Künstler den Blick gezielt auf die Objektivität der Dinge – auf ihre Form, ihre Farbe und ihre materielle Präsenz.
So wird das Stilleben nicht nur zur Darstellung eines Motivs, sondern zugleich zur Reflexion über die Bedingungen des Sehens selbst. Innerhalb von Räderscheidts Oeuvre nehmen Stilleben zwar keinen dominanten Platz ein, sind aber in den frühen 1920er Jahren wiederholt anzutreffen. Ganz im Sinne der Neuen Sachlichkeit gelingt es dem Künstler, wie in seinen figürlichen Werken dieser Zeit, den Bildgegenstand aus sich heraus wirken zu lassen und so den dargestellten Blumen sowie der Vase eine magische Aura zu verleihen.

Schätzpreis: 30.000 €

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