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AUCTION 64: 25 April 2026
12 p.m.
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Los 179 aus unserer Frühjahrsauktion am 25. April 2026

Stanislaw Kubicki
(Ziegenhain 1889 – 1942 Warschau)

Reh mit Jungen II. Öl auf Leinwand. 1930. 95 x 110,5 cm. Gerahmt.

Provenienz: Aus dem Nachlass von Margarete Kubicka und Stanislaw Kubicki. – Abgebildet in: Lidia Gluchowska, Stanislaw Kubicki. Kunst und Theorie, Berlin 2001, Tafel XX sowie in: Lidia Gluchowska, Avantgarde und Liebe. Margarete Kubicka und Stanislaw Kubicki 1910-1945, Berlin 2007, S. 192, Abb. 58.

Vorliegendes Gemälde zählt zu den wichtigsten Arbeiten Kubickis um 1930 und verdeutlicht exemplarisch seine eigenständige Position innerhalb der europäischen Moderne – angesiedelt zwischen Expressionismus, konstruktiver Abstraktion und spirituell motivierter Naturauffassung. Eingebettet in eine Komposition aus kristallinen Farbflächen, denen stakkatoartige Pinselstriche eine subtile Textur verleihen, erscheinen unser Reh und sein Junges weniger als individuelle Lebewesen, denn als organische Knotenpunkte innerhalb eines rhythmisch gegliederten Naturraums. Scharf gesetzte Diagonalen erzeugen dynamische Bewegungsströme, die wiederum durch eine strukturelle Ordnung zusammengehalten werden. Eine in Grün-, Blau-, Ocker- und Violettnuancen gehaltene Farbigkeit dominiert das vegetative Umfeld. Dunklere Partien erden die Szene, während hellere Zonen fast kosmische Sphären zu eröffnen scheinen.
In einer Sonderausstellung der Juryfreien 1931 präsentierte Kubicki 36 Werke, die von Eckardt von Sydow in der Weltkunst ausführlich rezensiert wurden: “Figuren, Tierbilder, Pflanzen, Stadtbilder sind in ornamental zerlegender und zugleich aufbauender Weise konstruiert. Ein tiefes lyrisch-mystisches Gefühl für Tier und Pflanze füllt das ornamenthafte Gefüge mit symbolkräftigem Gehalt.” Die Parallelen und Unterschiede zu Franz Marc, mit dem Kubicki immer wieder in Zusammenhang gebracht wird, hat die Kunsthistorikerin Lidia Gluchowska differenziert herausgearbeitet: Während Marc die innere Natur vor allem über expressive Farbsymbolik erschließt, entwickelte Kubicki seinen Antinaturalismus ebenso in Schwarzweißarbeiten von ausgeprägt linearer Expressivität. Gemeinsam ist beiden Künstlern jedoch ein pantheistisches Grundgefühl, das Mensch, Tier und Umwelt als untrennbar miteinander verbunden begreift. Unser “Reh mit Jungen” lässt sich somit als verdichtete Vision eines harmonischen Naturzusammenhangs erfassen. Muttertier und Nachwuchs verkörpern Schutz, Kontinuität und elementares Leben – Themen, die für Kubicki gerade in den politisch angespannten frühen 1930er Jahren zunehmend in den Mittelpunkt traten.

Schätzpreis: 120.000 €

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