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Moll, Marg

(Mühlhausen im Elsass 1884 - 1977 München)

Moll, Marg
(Mühlhausen im Elsass 1884 - 1977 München)
Kleiner Torso II. Bronze mit brauner Patina. 1928. 29 x 8,5 x 8 cm. Auf Schiefersockel (Höhe: 2,2 cm).
Signiert. Mit dem Gießerstempel "H. Noack Berlin".

Einer von insgesamt nur acht Güssen. - Provenienz: Sammlung Dr. Eckart Mundt; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen. - Abgebildet in: Werner Filmer, Marg Moll. Eine deutsche Bildhauerin, München 2017, S. 65. - Marg Moll (geb. Margarethe Haeffner) zählt zu den wenigen Bildhauerinnen der sogenannten "ersten Generation" - jenen Künstlerinnen, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der deutschen Kunstszene als freischaffende Bildhauerinnen etablierten, öffentliche Anerkennung gewannen und von ihrer Kunst leben konnten. Zugleich gehört sie mit ihrer kubistisch geprägten Formensprache zu den Pionierinnen der abstrakten Plastik. Bevor sie sich 1905 ganz der Bildhauerei zuwandte, erhielt sie ihre malerische Ausbildung bei Hans Völcker, Lovis Corinth sowie bei ihrem zukünftigen Ehemann Oskar Moll. 1907 übersiedelte das Ehepaar nach Paris, die damals führende Kunstmetropole Europas und Schmelztiegel für die Entwicklung avantgardistischer Strömungen. Dort begegnete sie Henri Matisse, dessen Einfluss für ihre künstlerische Entwicklung prägend war. Matisse' Verständnis der Figur und seine Auffassung von der Modellierung des Körpers wirkten nachhaltig auf Marg Molls plastisches Schaffen. Wie für ihn wurde auch für sie die menschliche Figur zum zentralen Motiv innerhalb ihres Ouvres. Gemeinsam mit Oskar Moll unterstützte sie ihn bei der Gründung der Académie Matisse, die bis 1911 bestand. 1908 kehrten die Molls nach Berlin zurück. Die folgenden Jahre brachten bedeutende Ausstellungserfolge: 1911 war die Künstlerin in der Berliner Secession vertreten, 1914 stellte sie bei Fritz Gurlitt in Berlin sowie bei Hans Goltz in München aus. Auch nach dem Umzug des Ehepaars nach Breslau nach dem Ersten Weltkriegs - Oskar Moll hatte dort eine Professur an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe übernommen - blieb Paris für Marg Moll ein wesentlicher Bezugspunkt. Wiederholte Aufenthalte in der französischen Hauptstadt führten sie in den Kreis von Künstlern wie Robert Delaunay und Fernand Léger; deren Impulse verstärkten die zunehmende Abstraktion ihres Werks. Die Begegnung mit dem Bildhauer Constantin Brancusi im Jahr 1928 wurde zum Schlüsselerlebnis: "Für mich war der Besuch bei Brancusi wohl das eindrucksvollste Ereignis in Paris, denn es ist selten, dass man im Leben einem Künstler begegnet, den man so restlos anerkennt", erinnerte sie sich später (Zitat Marg Moll, abgedruckt in: Werner Filmer, Marg Moll. Eine deutsche Bildhauerin, München 2017, S. 67). Der künstlerische Austausch mit dem Bildhauer führte dazu, dass die Künstlerin ihre Skulpturen zugunsten eines verstärkt kubistischen Formencharakters klar vereinfachte und geometrischer ausgestaltete. Wie auch Brancusi entwickelte sie zu jener Zeit eine Vorliebe für die glatt polierte Metallplastik. Unsere Skulptur entstand in jener Schaffensphase vor dem Zweiten Weltkrieg und ist heute von besonderer Seltenheit, da ein erheblicher Teil ihres Ouvres während der nationalsozialistischen Diktatur als "entartet" diffamiert und beschlagnahmt wurde. Als Vertreterin der Avantgarde gehörte Marg Moll zu den verfemten Künstlerinnen des Regimes. Im Zuge des spektakulären Berliner Skulpturenfunds am Roten Rathaus 2010 wurden zwei ihrer Werke wiederentdeckt - ein eindrucksvolles Zeugnis der kunsthistorischen Bedeutung ihres Schaffens.
Hammer: 7.500 €