Alle Werke (37)
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Tübke, Werner
(Schönebeck 1929 - 2004 Leipzig)
Anne. Öl auf Leinwand. 1953. 50 x 40 cm. Gerahmt.
Signiert, datiert u. betitelt.

Schulze 9 - Ausgestellt in: Kunstausstellung Bezirk Leipzig, Museum der bildenden Künste, 1954, Katalog-Nr. 113. - In diesem frühen Ölgemälde porträtierte Tübke seine erste Ehefrau Anneliese Heer, mit der er von 1952 bis 1959 verheiratet war. Er stellte sie mit Barett vor einem dunklen, unbestimmten Hintergrund dar, der ihr jugendliches Gesicht hervorhebt und die Bildnisse Rembrandts als Vorbild erkennen lässt. In dem Büchlein "Zirkel für bildende Kunst" von 1954 schrieb der junge Künstler seine Grundsätze für realistische Kunst nieder, die auf dem Studium der Natur, mit dem Mittelpunkt "Mensch" sowie auf den "alten Meistern", mit Vorrang der Renaissance, basierten. Bausteine hierzu waren detaillierte Kenntnisse der menschlichen Anatomie, der Perspektive, der Farblehre und eine genaue Hell-Dunkel-Analyse. Diese systematische Herangehensweise und sein klar strukturierter, bewusster Malprozess fußten auf einer festen Überzeugung und Willenskraft, die den Künstler manchmal distanziert wirken ließen. Wenn Kollegen seinen Lieblingsbegriff der "Hell-Dunkel-Analyse" in "Hell-Dunkel-Anneliese" verwandelten, so belegt das, neben dem mitschwingenden Anflug von Neid, eben diese Konzentration und Kenntnis, die Tübke unerschütterlich wirken ließ. Zugleich unterstreicht es die Bedeutung seiner Frau Anneliese, die offensichtlich in vorliegendem Bild als wichtiges Sujet und malerisches Prinzip jene zentralen Werte verkörperte, die der Künstler sein ganzes Leben lang verfolgte. (Vgl. Günter Meißner, 1989, S. 34f.) - Zwei leichte Kratzspuren. Retuschen.
Limitpreis: 30.000 €
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Wilhelm, Paul
(Greiz 1886 - 1965 Radebeul bei Dresden)
Der sommerliche Garten des Künstlers mit Veranda. Öl auf Leinwand. Um 1923. 77 x 57 cm. Gerahmt.
Signiert. Verso signiert, betitelt "Landhaus" bzw. "Garten 3" u. mit der Adresse des Künstlers versehen.

Abgebildet in: Paul Wilhelm zum 100. Geburtstag. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Grafik. Dresden, Albertinum, 1987, S. 60. - Paul Wilhelms Schaffen ist tief mit seinem Garten verwurzelt, der ihn fortwährend zu neuen Bildfindungen anregte und einen unabdingbaren Teil seines Werkes bildet. Zuerst allein im Turmhaus des Grundhofs in Niederlößnitz wohnend, suchte er nach seiner Hochzeit 1919 ein eigenes Heim, das die Frischvermählten 1920 in der Villa Elfriede fanden. Sie schufen daraus ein kleines Eden, dessen Zauber Wilhelm im vorliegenden, frühen Gemälde beeindruckend festhielt. Niemand kann die Bedeutung und Stimmung dieses Gartens besser in Worte kleiden als der hellsichtige Werner Schmidt: "Wer heute das zweistöckige Gebäude Gradesteg 46 in Radebeul aufsucht, kann keine Vorstellung mehr gewinnen von der unverwechselbaren Atmosphäre des Hauses, das einst mit seinem Garten von Paul Wilhelm durch Jahrzehnte hindurch geprägt worden war. In seinen Maßen bescheiden und traulich, hatte es durch den sicheren Formsinn des Hausherrn und seiner Gattin Stil und Würde erhalten. Weit entfernt von Reichtum und Pracht, ohne Anzeichen von Aufwand fügten sich die Dinge gelassen und selbstverständlich an einander und in den Raum. Ein seltsamer Schimmer von Noblesse verklärte das Ganze, [.] Der Garten diente verschiedenen Zwecken. Am Hauseingang breitete sich Rasen, der nach Norden von dem kapellenartigen Waschhaus, nach Süden von Bäumen und Büschen schützend umgrenzt war und mit Gartenmöbeln einen Raum geselligen Verweilens ergab. Vom Frühling bis in den späten Oktober hinein baten die Gäste den Künstler um einen Gang in seinen Garten, wo unter der Pflege des Kenners alles, was Blüten tragen konnte, gedieh. Die legendären Rittersporne, denen die Passion des Züchters galt, wuchsen auf einer Reihe von Beeten, die den Mittelteil des Gartens einnahmen. Die wirtschaftlichen Zwecke mit den Gefilden für Kräuter und Gemüse erlangten in den Jahren von Krieg und Nachkriegszeit steigende Bedeutung, gehörten aber stets dazu. Frau Marion blieb ihren braven Hühnern, denen die Voliere neben dem Waschhaus zugewiesen war, selbst dann noch gewogen, als diese einmal kostbare, aus Amerika geschickte Samen von wunderbar großen Windenblüten gefressen hatten. Auf Wilhelms Bildern klingen die weißen Flecken des nützlichen Leghorns mit den Blautönen luxuriöser Delphinium-Hybriden harmonisch zusammen. - Eine fast mannshohe Ziegelmauer umfriedete den Garten und schützte Wilhelms Arkadien, das er vier Jahrzehnte hindurch hegte und das den Maler mit unschätzbaren Anregungen reich entlohnte." (Werner Schmidt, Paul Wilhelm zum 100. Geburtstag. Dresden, Albertinum, 1987, S. 7f.)
Limitpreis: 12.000 €