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Polke, Sigmar
(Oels in Schlesien 1941 - 2010 Köln)
Polke, Sigmar
(Oels in Schlesien 1941 - 2010 Köln)
Ferner Osten. Papiercollage über Gouache auf Karton. 1987. 70 x 100 cm.
Signiert u. datiert. Verso bezeichnet "Kurt Schwitters-Ausstellung DDR 1987".
Provenienz: Nachlass Klaus Werner, Leipzig. - "1987 realisierte Sigmar Polke eine Arbeit, die innerhalb seines Oeuvres eine überraschende Ausnahme darstellt: 'Ferner Osten', eine Collage aus ausgeschnittenen und aus dem Zusammenhang gerissenen Zeitungstextfragmenten; sie alle eingebettet in eine abstrakte Aquarellarbeit, in deren Mittelpunkt und unter dem Texttitel (dieser in Rot) ein Mensch in Uniform den Bildbetrachter mit einem Fernglas fixiert. Diese Arbeit befand sich in der Sammlung des Leipziger Kunstkenners, Galeristen und Autors Klaus Werner.", erinnert sich Rainer Haarmann. Der Autor sowie Gründer des Vinyl-Labels "Edition Longplay" und der Editionsreihe "Encore Boxen für Kunst und Musik" lernte Klaus Werner in den 1970er Jahren kennen. Haarmann war damals Referent für Kunst und Kultur an der Ständigen Vertretung in Ost-Berlin, Werner leitete die am Straußberger Platz gelegene Galerie Arkade. Mit seinem Ausstellungsprofil, sowohl ostdeutsche als auch westdeutsche Künstler zu zeigen, die von den kulturpolitischen Leitlinien der DDR abwichen und sich überwiegend mit experimenteller Kunst auseinandersetzten, widersetzte er sich den Vorgaben des ostdeutschen Staates so weit, dass seine Galerie im Jahre 1981 geschlossen wurde. So erinnert sich Haarmann, dass Werner beispielsweise DDR-Künstler wie Carlfriedrich Claus und Robert Rehfeldt, den Hauptvertreter der Mail-Art-Bewegung, ebenso wie Joseph Beuys oder Klaus Staeck aus Westdeutschland präsentierte. - Mit Sigmar Polke machte Haarmann ein paar Jahre später Bekanntschaft, nämlich nach seinem Umzug nach Bonn im Jahre 1982, um dort als Kulturreferent am Innerdeutschen Ministerium tätig zu sein. "Wir trafen uns immer wieder, häufig zusammen mit dem Kölner Künstler Wolfgang Tolk. 1986 erhielt ich im Ministerium den Auftrag, 3 Projektvorschläge für westdeutsche Kulturprojekte in der DDR zu erarbeiten, die auf Regierungsebene verhandelt und vereinbart werden könnten. U.a. schlug ich eine Ausstellung westdeutscher Malerei vor. Unter dem Titel 'Positionen' und unter kuratorischer Betreuung von Lothar Romain fand sie im selben Jahr in Ost-Berlin und im Albertinum Dresden statt. [...] In dieser Ausstellung waren Malereien von Sigmar Polke ein zentraler Bestandteil. Sein Interesse an der Situation und der Kunst in der DDR war groß." Auf den Ausstellungseröffnungen lernten sich Werner und Polke kennen. Der zwischen den beiden anhaltende Austausch führte dazu, dass Polke seine Kenntnisse über die DDR-Kunst, insbesondere über die Mail Art und die Sprachblätter von Carlfriedrich Claus, vertiefen konnte. "1987 richtete Klaus Werner im Dresdner Albertinum eine Ausstellung von Kurt Schwitters ein - auch das mag das Bestreben von Polke, Arbeiten unter dem Einfluss von Sprache zu kreieren, verstärkt haben. Ich erinnere mich an viele Gespräche mit Sigmar zu diesem Thema, ja einmal trafen wir in seinem Atelier zusammen, als er an einer solchen Collage arbeitete. Hinzu kam, dass er immer wieder davon sprach, an einer Ausstellung in der DDR interessiert zu sein. Dazu ist es nicht gekommen, [...] später - nach der Wende - stellte er aber im Schweriner Museum unter damaliger Leitung von Cornelia Bersworth aus - den Kontakt zwischen beiden durfte ich vermitteln." (Erinnerungen Rainer Haarmanns an Klaus Werner und Sigmar Polke, Brief an das Auktionshaus Lehr vom 15.10.2024. Wir danken für die freundlichen Auskünfte.) - Die Ränder mit leichten Knitterspuren.
(Oels in Schlesien 1941 - 2010 Köln)
Ferner Osten. Papiercollage über Gouache auf Karton. 1987. 70 x 100 cm.
Signiert u. datiert. Verso bezeichnet "Kurt Schwitters-Ausstellung DDR 1987".
Provenienz: Nachlass Klaus Werner, Leipzig. - "1987 realisierte Sigmar Polke eine Arbeit, die innerhalb seines Oeuvres eine überraschende Ausnahme darstellt: 'Ferner Osten', eine Collage aus ausgeschnittenen und aus dem Zusammenhang gerissenen Zeitungstextfragmenten; sie alle eingebettet in eine abstrakte Aquarellarbeit, in deren Mittelpunkt und unter dem Texttitel (dieser in Rot) ein Mensch in Uniform den Bildbetrachter mit einem Fernglas fixiert. Diese Arbeit befand sich in der Sammlung des Leipziger Kunstkenners, Galeristen und Autors Klaus Werner.", erinnert sich Rainer Haarmann. Der Autor sowie Gründer des Vinyl-Labels "Edition Longplay" und der Editionsreihe "Encore Boxen für Kunst und Musik" lernte Klaus Werner in den 1970er Jahren kennen. Haarmann war damals Referent für Kunst und Kultur an der Ständigen Vertretung in Ost-Berlin, Werner leitete die am Straußberger Platz gelegene Galerie Arkade. Mit seinem Ausstellungsprofil, sowohl ostdeutsche als auch westdeutsche Künstler zu zeigen, die von den kulturpolitischen Leitlinien der DDR abwichen und sich überwiegend mit experimenteller Kunst auseinandersetzten, widersetzte er sich den Vorgaben des ostdeutschen Staates so weit, dass seine Galerie im Jahre 1981 geschlossen wurde. So erinnert sich Haarmann, dass Werner beispielsweise DDR-Künstler wie Carlfriedrich Claus und Robert Rehfeldt, den Hauptvertreter der Mail-Art-Bewegung, ebenso wie Joseph Beuys oder Klaus Staeck aus Westdeutschland präsentierte. - Mit Sigmar Polke machte Haarmann ein paar Jahre später Bekanntschaft, nämlich nach seinem Umzug nach Bonn im Jahre 1982, um dort als Kulturreferent am Innerdeutschen Ministerium tätig zu sein. "Wir trafen uns immer wieder, häufig zusammen mit dem Kölner Künstler Wolfgang Tolk. 1986 erhielt ich im Ministerium den Auftrag, 3 Projektvorschläge für westdeutsche Kulturprojekte in der DDR zu erarbeiten, die auf Regierungsebene verhandelt und vereinbart werden könnten. U.a. schlug ich eine Ausstellung westdeutscher Malerei vor. Unter dem Titel 'Positionen' und unter kuratorischer Betreuung von Lothar Romain fand sie im selben Jahr in Ost-Berlin und im Albertinum Dresden statt. [...] In dieser Ausstellung waren Malereien von Sigmar Polke ein zentraler Bestandteil. Sein Interesse an der Situation und der Kunst in der DDR war groß." Auf den Ausstellungseröffnungen lernten sich Werner und Polke kennen. Der zwischen den beiden anhaltende Austausch führte dazu, dass Polke seine Kenntnisse über die DDR-Kunst, insbesondere über die Mail Art und die Sprachblätter von Carlfriedrich Claus, vertiefen konnte. "1987 richtete Klaus Werner im Dresdner Albertinum eine Ausstellung von Kurt Schwitters ein - auch das mag das Bestreben von Polke, Arbeiten unter dem Einfluss von Sprache zu kreieren, verstärkt haben. Ich erinnere mich an viele Gespräche mit Sigmar zu diesem Thema, ja einmal trafen wir in seinem Atelier zusammen, als er an einer solchen Collage arbeitete. Hinzu kam, dass er immer wieder davon sprach, an einer Ausstellung in der DDR interessiert zu sein. Dazu ist es nicht gekommen, [...] später - nach der Wende - stellte er aber im Schweriner Museum unter damaliger Leitung von Cornelia Bersworth aus - den Kontakt zwischen beiden durfte ich vermitteln." (Erinnerungen Rainer Haarmanns an Klaus Werner und Sigmar Polke, Brief an das Auktionshaus Lehr vom 15.10.2024. Wir danken für die freundlichen Auskünfte.) - Die Ränder mit leichten Knitterspuren.
Estimated price: 15.000 €