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Artschwager, Richard
(Washington D.C. 1923 - 2013 Albany)
Artschwager, Richard
(Washington D.C. 1923 - 2013 Albany)
o.T. Acryl auf Celotex im vom Künstler gestalteten Originalrahmen. 1996. 51,5 x 42,2 (das Gemälde 39,3 x 29,9) cm.
Verso signiert u. datiert.
Provenienz: Atelier des Künstlers; Sammlung Thomas MacGregor, New York; 1998 Privatsammlung Berlin. - Artschwagers Werk bewegt sich zwischen Bild und Objekt und überschreitet damit bewusst die traditionelle Grenze zwischen Malerei und Skulptur. Der massive, dunkle Originalrahmen ist keine nachträgliche Einfassung, sondern integraler Bestandteil der Komposition. Seine breiten, abgeschrägten Seiten führen die zentralperspektivische Anlage des Bildraums fort: Stufen und bogenförmige Durchgänge verengen sich zu einer nahezu weißen Lichtöffnung, deren gelblicher Saum aus der grauschwarzen Farbigkeit hervortritt. Der Rahmen wird so zum vordersten Abschnitt einer Architektur, die zugleich als Korridor und imaginärer Schwellenraum erscheint. - Die rhythmische Folge von Bögen und Stufen verleiht dem kleinen Format eine unerwartete Monumentalität. Sie erinnert an romanische Krypten, unterirdische Gänge oder sakrale Prozessionsräume, ohne sich auf ein konkretes Bauwerk festlegen zu lassen. Das Licht am Ende kann als Zeichen von Hoffnung, Offenbarung oder Transzendenz gelesen werden, bleibt jedoch zugleich der nüchterne Fluchtpunkt der perspektivischen Konstruktion. Anstelle einer eindeutigen Erzählung eröffnet Artschwager somit ein vieldeutiges Seherlebnis, in dem sich perspektivischer Sog und symbolische Lesbarkeit überlagern. - Als Bildträger verwendet der Künstler Celotex, eine industriell gefertigte, stark strukturierte Faser- und Dämmplatte, die seit den frühen 1960er Jahren zu seinen bevorzugten Materialien gehörte. Ihre unregelmäßige Oberfläche durchsetzt die Darstellung mit einem dichten visuellen Rauschen: Konturen verschwimmen, Tonwerte flimmern und die Architektur verliert ihre feste Körperlichkeit. Der Effekt erinnert sowohl an grob gerasterte Zeitungsfotografien als auch an frühe Schwarz-Weiß-Fernsehbilder. Was zunächst wie ein expressiver Pinselduktus wirkt, entsteht zu einem wesentlichen Teil aus der Beschaffenheit des industriellen Bildträgers. Die Malerei changiert dadurch zwischen fotografischer Anmutung und greifbarer Materialität. - Diese Verbindung medial vermittelter Bildwelten mit industriellen Werkstoffen verortet Artschwager im Spannungsfeld von Pop Art, Minimal Art und Konzeptkunst, ohne dass sich sein Werk einer dieser Strömungen eindeutig zuordnen ließe. Zugleich richtet sich seine künstlerische Untersuchung auf die Bedingungen des Sehens selbst: Die Darstellung eines Durchgangs wird durch Celotex und Originalrahmen zu einem körperlich präsenten Bildobjekt, das zwischen realem Gegenstand und illusionärer Raumöffnung oszilliert.
(Washington D.C. 1923 - 2013 Albany)
o.T. Acryl auf Celotex im vom Künstler gestalteten Originalrahmen. 1996. 51,5 x 42,2 (das Gemälde 39,3 x 29,9) cm.
Verso signiert u. datiert.
Provenienz: Atelier des Künstlers; Sammlung Thomas MacGregor, New York; 1998 Privatsammlung Berlin. - Artschwagers Werk bewegt sich zwischen Bild und Objekt und überschreitet damit bewusst die traditionelle Grenze zwischen Malerei und Skulptur. Der massive, dunkle Originalrahmen ist keine nachträgliche Einfassung, sondern integraler Bestandteil der Komposition. Seine breiten, abgeschrägten Seiten führen die zentralperspektivische Anlage des Bildraums fort: Stufen und bogenförmige Durchgänge verengen sich zu einer nahezu weißen Lichtöffnung, deren gelblicher Saum aus der grauschwarzen Farbigkeit hervortritt. Der Rahmen wird so zum vordersten Abschnitt einer Architektur, die zugleich als Korridor und imaginärer Schwellenraum erscheint. - Die rhythmische Folge von Bögen und Stufen verleiht dem kleinen Format eine unerwartete Monumentalität. Sie erinnert an romanische Krypten, unterirdische Gänge oder sakrale Prozessionsräume, ohne sich auf ein konkretes Bauwerk festlegen zu lassen. Das Licht am Ende kann als Zeichen von Hoffnung, Offenbarung oder Transzendenz gelesen werden, bleibt jedoch zugleich der nüchterne Fluchtpunkt der perspektivischen Konstruktion. Anstelle einer eindeutigen Erzählung eröffnet Artschwager somit ein vieldeutiges Seherlebnis, in dem sich perspektivischer Sog und symbolische Lesbarkeit überlagern. - Als Bildträger verwendet der Künstler Celotex, eine industriell gefertigte, stark strukturierte Faser- und Dämmplatte, die seit den frühen 1960er Jahren zu seinen bevorzugten Materialien gehörte. Ihre unregelmäßige Oberfläche durchsetzt die Darstellung mit einem dichten visuellen Rauschen: Konturen verschwimmen, Tonwerte flimmern und die Architektur verliert ihre feste Körperlichkeit. Der Effekt erinnert sowohl an grob gerasterte Zeitungsfotografien als auch an frühe Schwarz-Weiß-Fernsehbilder. Was zunächst wie ein expressiver Pinselduktus wirkt, entsteht zu einem wesentlichen Teil aus der Beschaffenheit des industriellen Bildträgers. Die Malerei changiert dadurch zwischen fotografischer Anmutung und greifbarer Materialität. - Diese Verbindung medial vermittelter Bildwelten mit industriellen Werkstoffen verortet Artschwager im Spannungsfeld von Pop Art, Minimal Art und Konzeptkunst, ohne dass sich sein Werk einer dieser Strömungen eindeutig zuordnen ließe. Zugleich richtet sich seine künstlerische Untersuchung auf die Bedingungen des Sehens selbst: Die Darstellung eines Durchgangs wird durch Celotex und Originalrahmen zu einem körperlich präsenten Bildobjekt, das zwischen realem Gegenstand und illusionärer Raumöffnung oszilliert.
Estimated price: 12.000 €
