213
Müller, Richard
(Tschirnitz in Böhmen 1874 - 1954 Dresden)
Müller, Richard
(Tschirnitz in Böhmen 1874 - 1954 Dresden)
Atelierstilleben mit Selbstbildnis. Öl auf Leinwand. 1921. 65,5 x 47,5 cm. Gerahmt.
Signiert u. datiert.
Provenienz: Galerie Saxonia, München; Privatsammlung Potsdam. - Zwischen den Utensilien seines Ateliers - einem Regal, einer Leinwand samt Malerlineal und Zeichendreieck, einer Vitrine mit Gipsabdrücken von Knochen sowie einem Affenkopf - platzierte der Künstler sein Selbstbildnis in Form einer Gipsbüste. 1921 scheint für Müller eine Phase der Selbstvergewisserung gewesen zu sein, denn zusätzlich hielt er sein eigenes Bildnis in einer Kaltnadelradierung fest. Ein Zeitgenosse schrieb über dieses Werk: "Dem Zauberer von Loschwitz scheint nichts unmöglich. In der Kaltnadelmappe ward das letzte Werk unserer Schau das ganz herrliche 'Selbstbildnis' von 1921 der höchste Wurf. Große Künstler malen sich gern selber, wie die Geschichte lehrt. Dürer - Rubens - Rembrandt vor allem sind am eigenen Konterfei nie müde geworden. Dieser kleinen Eitelkeit verdanken wir eine ganze Reihe von hervorragenden Bildnissen, die nicht allein Kunstwerke - viel mehr noch Selbstzergliederungen sind und dem Kunstforscher ungeahnte Möglichkeiten zum Einblick in die Künstlerseele geben. Richard Müller hat sich selten genug selbst abkonterfeit, da er wenig eitel zu sein scheint." (Frank H. Meißner, Das Werk von Richard Müller. Dresden 1921, S. 111) Vielleicht wollte der als "scharfsinnig" beschriebene Maler sich selbst und seine künstlerischen Absichten jedoch bewusst nie vollständig preisgeben. Zugleich besaß Müller einen feinen Sinn für Humor, wie zahlreiche seiner Werke belegen, in denen er nicht mit ironischer Kritik an gesellschaftlichen Konventionen sparte. Umso bedeutender erscheint das vorliegende Gemälde, in dem er sich selbst bewusst als Teil der Atelierausstattung inszenierte. Während Müller Tieren, Masken und Büsten mit besonderer Eindringlichkeit eine beinahe lebendige Präsenz zu verleihen vermochte, begegnet er dem eigenen Porträt mit auffallender Zurückhaltung. Bereits die Arbeit "Was ist Ruhm, was sind Namen?" von 1913 thematisiert die Vergänglichkeit menschlichen Strebens und verweist zugleich auf jene Heroen wie Napoleon oder Friedrich den Großen, die scheinbar über die Zeit hinaus Bestand haben.
(Tschirnitz in Böhmen 1874 - 1954 Dresden)
Atelierstilleben mit Selbstbildnis. Öl auf Leinwand. 1921. 65,5 x 47,5 cm. Gerahmt.
Signiert u. datiert.
Provenienz: Galerie Saxonia, München; Privatsammlung Potsdam. - Zwischen den Utensilien seines Ateliers - einem Regal, einer Leinwand samt Malerlineal und Zeichendreieck, einer Vitrine mit Gipsabdrücken von Knochen sowie einem Affenkopf - platzierte der Künstler sein Selbstbildnis in Form einer Gipsbüste. 1921 scheint für Müller eine Phase der Selbstvergewisserung gewesen zu sein, denn zusätzlich hielt er sein eigenes Bildnis in einer Kaltnadelradierung fest. Ein Zeitgenosse schrieb über dieses Werk: "Dem Zauberer von Loschwitz scheint nichts unmöglich. In der Kaltnadelmappe ward das letzte Werk unserer Schau das ganz herrliche 'Selbstbildnis' von 1921 der höchste Wurf. Große Künstler malen sich gern selber, wie die Geschichte lehrt. Dürer - Rubens - Rembrandt vor allem sind am eigenen Konterfei nie müde geworden. Dieser kleinen Eitelkeit verdanken wir eine ganze Reihe von hervorragenden Bildnissen, die nicht allein Kunstwerke - viel mehr noch Selbstzergliederungen sind und dem Kunstforscher ungeahnte Möglichkeiten zum Einblick in die Künstlerseele geben. Richard Müller hat sich selten genug selbst abkonterfeit, da er wenig eitel zu sein scheint." (Frank H. Meißner, Das Werk von Richard Müller. Dresden 1921, S. 111) Vielleicht wollte der als "scharfsinnig" beschriebene Maler sich selbst und seine künstlerischen Absichten jedoch bewusst nie vollständig preisgeben. Zugleich besaß Müller einen feinen Sinn für Humor, wie zahlreiche seiner Werke belegen, in denen er nicht mit ironischer Kritik an gesellschaftlichen Konventionen sparte. Umso bedeutender erscheint das vorliegende Gemälde, in dem er sich selbst bewusst als Teil der Atelierausstattung inszenierte. Während Müller Tieren, Masken und Büsten mit besonderer Eindringlichkeit eine beinahe lebendige Präsenz zu verleihen vermochte, begegnet er dem eigenen Porträt mit auffallender Zurückhaltung. Bereits die Arbeit "Was ist Ruhm, was sind Namen?" von 1913 thematisiert die Vergänglichkeit menschlichen Strebens und verweist zugleich auf jene Heroen wie Napoleon oder Friedrich den Großen, die scheinbar über die Zeit hinaus Bestand haben.
Estimated price: 5.000 €
