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Marwan

(Damaskus 1934 - 2016 Berlin)

Marwan
(Damaskus 1934 - 2016 Berlin)
Stilleben mit Teekanne. Öl auf Leinwand. 1983. 65 x 81 cm. Gerahmt.
Signiert. Verso auf dem Keilrahmen signiert u. datiert (März 1983).

Provenienz: Privatsammlung Berlin. - Ausgestellt und abgebildet in: Marwan. Ölbilder und Arbeiten auf Papier aus zwei Sammlungen und zwei Jahrzehnten. Berlin, Dr. Irene Lehr Kunsthandel, 2002, Katalog-Nr. 26, S. 29. - Marwans Stilleben zeigt keine stille, überschaubare Ordnung der Dinge. Das Gemälde ist vielmehr ein Schauplatz der Verdichtung und Verwandlung. Auf einem kleinen Tisch drängen sich Gefäße, Früchte, Schalen und Tücher. Sie bilden kein klar gegliedertes Arrangement, sondern einen farbigen Organismus, in dem jede Form von den benachbarten Elementen berührt, überlagert oder aufgelöst wird. 1983 entstanden, gehört unser Gemälde in eine Phase, in der Marwan bereits eine unverwechselbare Position innerhalb der deutschen Nachkriegsmalerei entwickelt hatte. Seine Berliner Jahre waren zunächst von materieller Unsicherheit geprägt. In einem Gespräch mit dem Städel Museum erinnerte Marwan sich daran, tagsüber in einer Berliner Kürschnerei Felle geschnitten und nachts, nach einer großen Kanne Kaffee, gezeichnet zu haben. Die Erfahrung körperlicher Arbeit, die unmittelbare Nähe zu Material, Haut und Oberfläche sowie der einsame Rhythmus des nächtlichen Zeichnens bilden den biografischen Hintergrund für jene taktile Intensität, mit der Marwan Farbe behandelte. Seine Gemälde scheinen weniger mit dem Pinsel beschrieben als Schicht um Schicht ertastet zu sein. - Auch in unserem Stilleben wird Farbe zu einer körperlichen Substanz. Breite, pastose Pinselzüge treffen auf dünn verriebene und stellenweise durchscheinende Partien. Der Pinsel modelliert keine fest umrissenen Gegenstände, sondern legt Farbzüge nebeneinander, übereinander und gegeneinander. Grün, Rosa, Gelb und Weiß über leuchtenden Orange- und Rottönen intensivieren sich im Zentrum zu einem flirrenden Gewebe, das einem blaugrauen Hintergrund gegenübergestellt ist. Auch er ist kein neutraler Raum, sondern Teil des malerischen Geschehens. - Marwans Stellung zwischen Damaskus und Berlin ist für diese Bildsprache zentral. Er verstand seine Biografie nicht als einfache Ablösung von einer Herkunftskultur durch eine europäische Moderne. Vielmehr blieb seine Berliner Existenz von der Erinnerung an Damaskus durchdrungen. Im Gespräch mit dem Städel Museum bezeichnete er den Satz des Kunsthistorikers Eberhard Roters, er habe "sein Damaskus in Berlin gefunden", als besonders treffend. - Die Entstehungszeit im März 1983 bezeichnet zudem einen Moment zunehmender öffentlicher Anerkennung. Seit 1980 war Marwan Professor an der Berliner Hochschule der Künste; 1982 waren seine Arbeiten auf der Biennale von Venedig vertreten, 1983 zeigte die Overbeck-Gesellschaft in Lübeck eine Einzelausstellung, der 1984 eine Ausstellung in der Kunsthalle Darmstadt folgte. Das Gemälde entstand somit nicht mehr unter den prekären Bedingungen seiner frühen Berliner Jahre, sondern auf dem Höhepunkt einer künstlerischen Entwicklung, die Damaskus und Berlin in einer eigenständigen malerischen Sprache miteinander verband.
Estimated price: 20.000 €