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Liebermann, Max

(1847 Berlin 1935)

Liebermann, Max
(1847 Berlin 1935)
Amsterdamer Gracht (Blick über das Damrak Hafenbecken auf De Oude Kerk). Öl auf Karton. 1898. 38 x 46 cm. Gerahmt.
Signiert, datiert u. mit der Ortsangabe "Amsterdam" versehen.

Nicht bei Eberle - Mit einer Expertise von Dr. Matthias Eberle, Berlin, vom 19. Oktober 2017. Die Arbeit wird in den Nachtrag des Werkverzeichnisses unter der Nummer "1898/17a" aufgenommen. - Provenienz: Kunsthaus Bühler, Stuttgart (verso mit Etikett); Privatsammlung Nordrhein-Westfalen; Privatsammlung Radebeul. - Seit seiner ersten Reise 1871 in die Niederlande kehrte Max Liebermann regelmäßig dorthin zurück, die für ihn zu einer "Malheimat" und zu einem entscheidenden Ausgangspunkt seiner künstlerischen Entwicklung wurden. In Amsterdam interessierten ihn besonders Alltagsszenen, etwa im jüdischen Viertel oder im Amsterdamer Waisenhaus. Zugleich erlebte Liebermann Amsterdam als eine Stadt im tiefgreifenden Wandel. Besonders das Damrak, die zentrale Verbindung zwischen dem historischen Stadtzentrum und dem Hafen am IJ, veränderte sich im späten 19. Jahrhundert stark. Mit der Eröffnung des Centraalbahnhofs 1889 und dem Bau neuer repräsentativer Gebäude wurde aus der traditionellen Wasserstadt zunehmend eine moderne Verkehrs- und Handelsstadt. Ein markantes Zeichen dieser Entwicklung war das Victoria Hotel, das zwischen 1883 und 1890 am Eck von Damrak und Prins Hendrikkade errichtet wurde und aus dem heraus Liebermann vorliegendes Bild malte. Seine neobarocke Architektur stand in deutlichem Kontrast zu den schmalen historischen Häusern der Umgebung und verkörperte die neue großstädtische Dimension Amsterdams. Zugleich bildete das Hotel mit seiner Lage am Damrak einen prägnanten Bestandteil jener urbanen Umgebung, in der Liebermann das alte und das sich modernisierende Amsterdam wahrnahm. Der Künstler suchte häufig die einfachen, unmittelbaren Motive des Alltags und hielt dabei sein direktes Umfeld fest, dessen Erscheinungsbild sich sichtbar veränderte. Gerade die Umgebung des Damrak verdeutlicht diese Spannung zwischen Tradition und Moderne: historische Häuser, Wasser und alltägliches Leben trafen hier auf neue Verkehrswege, repräsentative Architektur und den wachsenden Großstadtverkehr. Der Blick auf das alte Damrak wird für Liebermann zu einer Form der Selbstvergewisserung: In der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt bestimmt er zugleich seinen eigenen künstlerischen Standpunkt und Wahrnehmungsprozess. - Stellenweise leichtes Craquelé. Minimale Randläsuren.
Estimated price: 80.000 €