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Leyhausen, Karl

(Bedburg 1899 - 1931 Paris)

Leyhausen, Karl
(Bedburg 1899 - 1931 Paris)
Nach der Beerdigung. Öl auf Leinwand. 1920. 75,5 x 58,5 cm. Gerahmt.
Signiert u. datiert.

Karl Leyhausen entwickelte eine stille, von Empathie getragene Form des existenziellen Realismus. Den Künstler interessierte weniger die äußerliche Ähnlichkeit als vielmehr die innere Verfassung seines Modells. Wie ein Studium menschlicher Existenz, in dem individuelle Erfahrung und allgemeingültige Aussage miteinander verschmelzen, erscheint unser dargestellter Protagonist. Dabei bewegt sich unser Gemälde im Spannungsfeld von Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Während die expressive Modellierung des Gesichts, die kantigen Formen und die psychologische Intensität an den deutschen Expressionismus erinnern, kündigt sich bereits jene nüchterne, präzise Beobachtung an, die wenig später für die Neue Sachlichkeit charakteristisch werden sollte. Damit steht Leyhausens Werk in einer Linie mit den psychologisch verdichteten Bildnissen von Max Beckmann oder Otto Dix, ohne deren gesellschaftskritische Schärfe unmittelbar zu übernehmen. - In "Nach der Beerdigung" bildet das leuchtend rote Stoffknäuel den einzigen intensiven Farbklang innerhalb der gedämpften Grau- und Schwarztöne. Es wirkt wie ein letzter Rest von Leben, Erinnerung oder Liebe und steht in bewusstem Kontrast zur Schwere der Kleidung und zur farblich nahezu entmaterialisierten Umgebung. Gerade diese Reduktion verleiht dem Bild seine außergewöhnliche emotionale Dichte. Trauer erscheint nicht als dramatische Geste, sondern als Zustand stiller Verinnerlichung. - Rückblickend erhält dieses Gemälde eine beklemmende biographische Dimension. Karl Leyhausen, der zu den hoffnungsvollsten Künstlern der Kasseler Moderne gehörte und von dem Kunstkritiker Paul Westheim nachhaltig gefördert wurde, nahm sich 1931 während eines Aufenthalts in Paris im Alter von nur einunddreißig Jahren das Leben. In seinem Abschiedsbrief an Westheim schrieb er: "Ich weiß heute besser als je, wie unerhört schön und dankenswert dieses Geschenk des Lebens ist. Ich werfe es nicht freventlich weg, sondern es wird mir genommen. Es ist eine ungeistige, barbarische Zeit hereingebrochen." (Veröffentlicht in: "Das Kunstblatt", Jahrgang 15, Heft 6, Juni 1931) - Dieses darf zwar nicht als nachträglicher Schlüssel zur Interpretation unserer Arbeit verstanden werden, doch verleiht es dem Werk aus heutiger Sicht eine zusätzliche Dimension. Wie ein Sinnbild einer Generation, deren Leben von Krieg, Verlust und gesellschaftlicher Verunsicherung geprägt war, erscheint die stille Melancholie des alten Mannes. Zugleich kündigt Leyhausens letzter Satz bereits jene geistige und politische Katastrophe an, die sich wenige Jahre später mit dem Nationalsozialismus verwirklichen sollte. - Craquelé sowie Retuschen.
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