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Heisig, Bernhard

(Breslau 1925 - 2011 Strodehne)

Heisig, Bernhard
(Breslau 1925 - 2011 Strodehne)
Reklame. Öl auf Leinwand. 1967. 79,5 x 60,5 cm. Gerahmt.

Provenienz: Nachlass Bernhard Heisig; 2013 Galerie Ahlers, Göttingen; 2025 Privatsammlung Hessen. - Ausgestellt in: Bernhard Heisig. Gemälde. Zeichnungen. Lithographien. Leipzig u.a., Museum der bildenden Künste, 1973, Katalog-Nr. 52, S. 55; Abstraktes. Göttingen, Galerie Ahlers, 2022, sowie abgebildet in: Max Kober, Bernhard Heisig. Dresden 1981, Katalog-Nr. 145, ohne Seitenangaben; Bernfried Lichtnau, Der Beitrag Bernhard Heisigs zur Weiterentwicklung der Historienmalerei in der bildenden Kunst der Deutschen Demokratischen Republik. Dissertation. Teil II. Greifswald 1988, Abb. 120, S. 50 sowie in: Bernhard Heisig. Retrospektive. Berlin u.a., Zentrum für Kunstausstellungen der DDR in der Berlinischen Galerie, Martin-Gropius-Bau, 1989, Abb. 1, S. 9. - Konsultiert man die zahlreichen Ausstellungskataloge zu Bernhard Heisig, stößt man wiederholt auf ein abgebildetes und in seiner Größe sowie motivisch bis auf wenige Details mit unserem Bild übereinstimmendes Gemälde, das entweder als "Reklame" oder "Reklamefetzen" betitelt und auf 1967 datiert ist. Fälschlicherweise erstmals als "zerstört" bezeichnet wird jenes im Katalog der großen Retrospektivausstellung im Jahr 1989. Somit schreibt unsere vorliegende Arbeit Kunstgeschichte der besonderen Art: 2013, als die beiden Kunsthändler Oliver Ahlers und Frank-Peter Alpers bei einem Besuch von Heisigs Witwe Gudrun Brüne in Strodehne den Ateliernachlass des Künstlers sichteten, entdeckten sie in einem Graphikschrank, lose in einer Mappe zwischen zahlreichen Zeichnungen verwahrt, ein unsigniertes, undatiertes, unbetiteltes und ungerahmtes Gemälde. Vor allem der saubere, waagerechte Schnitt durch die Leinwand im oberen Viertel des Bildes veranlasste die Galeristen, das neu erworbene Werk für künftige Ausstellungen restaurieren zu lassen und in diesem Zustand in den Kunsthandel zu überführen. - Vermutlich hatte Heisig also am vorliegenden Gemälde zunächst weitergearbeitet, um anschließend das Format zu verändern und es dann doch aufgehoben. Dass der Künstler seine Werke wiederholt überarbeitete und auch zerstörte, ist belegt, insbesondere während seiner Abarbeitung am Thema zur Pariser Kommune in den 1960er Jahren. Anlass hierfür waren vor allem Konflikte mit der SED, die in diesen wie auch in anderen Werken sowohl inhaltliche als auch formale Verstöße gegen die kulturpolitischen Leitlinien erkannte und sie deshalb als ideologische Bedrohung ansah. - Diese Umstände machen das Gemälde zu einem außergewöhnlichen Zeugnis seiner Stilentwicklung und erheben es zu einem besonderen Werk im Oeuvre des Künstlers. Vor allem seine Motivik verdient besondere Aufmerksamkeit. Die auf Filmbändern dargestellten, zum Schrei aufgerissenen Münder, die starren Augen und die collageartig miteinander verwobenen Reklameausschnitte kehren in zahlreichen späteren Gemälden wieder, darunter "Filmfestival II" (1979), "Der kleine Katastrophenfilm" (1977/78/85) und "Begegnungen mit Bildern III" (1986), in denen der Künstler den Fortschrittsglauben sowie die zunehmende Macht und Kontrolle der Medien und des damit verwobenen Systems thematisiert. Doch auch bereits in früheren Werken mit kriegsgeschichtlichen und politischen Themen, wie beispielsweise "Festung Breslau (Die Stadt und ihre Mörder)" (1969) und "Die mißbrauchten Götter" (1968), spielen ähnliche Bildelemente eine wichtige Rolle. Das vorliegende Gemälde kann daher als ein zentrales Bindeglied innerhalb von Heisigs Werk und Bildsprache verstanden werden. - Doubliert. Stellenweise leichtes Craquelé. Vereinzelte Retuschen.
Estimated price: 15.000 €