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Heisig, Bernhard

(Breslau 1925 - 2011 Strodehne)

Heisig, Bernhard
(Breslau 1925 - 2011 Strodehne)
Der Tod des Weißclowns. Öl, Stoff u. festes Papier auf Leinwand. 1991. 130,5 x 101 cm. Gerahmt.
Signiert u. datiert (91/92).

Provenienz: Privatsammlung Köln; 2015-2025 als Dauerleihgabe im Potsdam Museum (Zustandsprotokoll des Museums in Kopie beigegeben). - Ausgestellt und abgebildet in: Bernhard Heisig. Menschheitsträume. Das malerische Spätwerk. Potsdam Museum, 2021, Katalog-Nr. 1, S. 25 und Titelbild; Point of no return. Wende und Umbruch in der ostdeutschen Kunst. Leipzig, Museum der bildenden Künste, 2019, S. 191 sowie in: Bernhard Heisig. Geisterbahn. Galerie Berlin, 1995, S. 53. - Mit seinem expressiv ausgeführten Gemälde "Der Tod des Weißclowns" leitete Bernhard Heisig, einer der bedeutendsten Protagonisten der Leipziger Schule, die letzte Phase seines Schaffens ein. Das collageartig gefügte und dramatisch verdichtete Bildpersonal ist charakteristisch für seine Malerei. Entstanden nach der deutschen Wiedervereinigung, gehört das Werk in eine Zeit, in der der deutsch-deutsche Bilderstreit die Wahrnehmung ostdeutscher Kunst bestimmte. Für Heisig und viele seiner Künstlerkollegen aus der DDR war dies keine einfache Situation: In der zunächst eher "selbstgefällige[n], von Trägheit und provinziellem Hochmut geprägte[n] Atmosphäre der Bundesrepublik [.]" (Joachim Fest, in: Bernhard Heisig. Begegnungen mit Bildern, Berlin, Galerie Brusberg, 1995, S. 24) wurden ihre Werke vielfach pauschal als "linientreue Staatskunst" diskreditiert. - Gerade Heisig jedoch hatte - nicht zuletzt vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen als Soldat im Zweiten Weltkrieg - die Grenzen einer spezifischen DDR-Ikonographie früh überschritten. Wie Eduard Beaucamp hervorhob, habe er "wie kein zweiter zeitgenössischer Künstler die drängenden und unlösbaren Probleme der Menschheit auf dramatische Bildbegriffe gebracht" (Eduard Beaucamp, in: Bernhard Heisig. Geisterbahn, Berlin, Galerie Berlin, 1995, S. 80). In "Der Tod des Weißclowns" spitzen sich diese existenziellen Fragen zu einer ebenso grotesken wie beklemmenden Szenerie über Rolle und Identität, Vergänglichkeit und Tod zu. - Trotz der einschneidenden Veränderungen, die mit der Wiedervereinigung einhergingen, gab er diese einzigartige Bildsprache nicht auf. Heisig verließ Leipzig und zog zusammen mit seiner Frau Gudrun Brüne ins brandenburgischen Strohdene, wo er ungehindert weitermalte. Raum-Zeitgefüge, Gegenwart und Vergangenheit wurden durch facettenreiche, apokalyptische Motive zusammengeführt, die Auseinandersetzung mit den Themenkomplexen Irrtum und Selbsttäuschung gelangten als Reaktion auf die neue politische Lage in sein Werk. Programmatisch hierfür steht in unserem Bild der Weißclown, sein Alter Ego: Die Figur verweist auf einen Rollenwechsel, auf das Hinterfragen der eigenen Identität, während sie durch die Präsenz des nahenden Todes gleichzeitig als Allegorie auf Vergänglichkeit und Verlust gelesen werden kann. Die Tradition von Max Beckmanns Visionen eines Welttheaters aufgreifend, inszenierte Bernhard Heisig also sich selbst und sein sich anbahnendes Schicksal als tragisches Zirkusstück - eine wahre Meisterleistung! - Stellenweise minimales Craquelé.
Estimated price: 20.000 €