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Copley, William N.
(New York 1919 - 1996 Key West)
Copley, William N.
(New York 1919 - 1996 Key West)
o.T. (Akt). Kohle auf leichtem Karton. 1973. 59,6 x 45,6 cm, im Passepartout freigestellt. Unter Glas gerahmt.
Signiert u. datiert.
Provenienz: Galerie Fred Jahn, München; Privatsammlung Berlin. - William Copley zählt zu jenen Künstlern des 20. Jahrhunderts, die Erotik nicht als Randthema, sondern als zentrales Feld ästhetischer und gesellschaftlicher Reflexion begriffen. In unserer Kohlezeichnung aus dem Jahr 1973 tritt dieser Ansatz in konzentrierter Form hervor und steht somit exemplarisch für Copleys Strategie der "verspielten Obszönität". Die Übertreibung der Körperformen, die ornamentalisierten Strümpfe und die grafische Vereinfachung erzeugen eine Distanz, die den expliziten Charakter bricht. Erotik wird nicht naturalistisch, sondern emblematisch gezeigt. Copley suchte, wie er selbst sagte, nicht nach bloßer Pornographie, sondern danach, "die Barriere der Pornographie zu durchbrechen und in den Bereich der Freude vorzudringen." Diese Haltung unterscheidet ihn maßgeblich von einer rein tabuverletzenden Bildproduktion: Sexualität erscheint bei Copley nicht als voyeuristische Anklage, sondern als kulturelles Phänomen, als integraler Teil menschlicher Erfahrung - komisch, widersprüchlich, überraschend. Die erotische Bildwelt Copleys ist stark stilisiert und oft ironisch aufgeladen. Figuren und Körper werden nicht naturalistisch dargestellt, sondern in einer grafischen, beinahe comichaften Sprache - ein Ansatz, der humoristische Distanz mit unmittelbarer Sinnlichkeit verbindet. Diese Verbindung macht seine Erotikbilder heute zu Schlüsselwerken, die über bloße Provokation hinausgehen: Sie fungieren als kritische Reflexion über die Mechanismen des Begehrens, der Darstellung von Geschlecht und über die Art und Weise, wie westliche Kultur Sexualität konstituiert. Im internationalen Diskurs gilt Copley heute als Vorläufer vieler späterer Entwicklungen in der figurativen Malerei, als Brücke zwischen Surrealismus, Pop Art und zeitgenössischer Aneignungsästhetik. Seine erotischen Arbeiten, darunter auch zahlreiche Zeichnungen und Papierarbeiten aus den 1970er und 80er Jahren, sind nicht nur Zeugnisse seiner künstlerischen Vision, sondern auch Manifestationen seiner Haltung: Sexualität als ästhetisches, kulturelles und philosophisches Thema, das weit über simplen Voyeurismus hinausweist. - Die Ecken mit Löchlein von Reißzwecken sowie zwei winzigen Knitterspuren.
(New York 1919 - 1996 Key West)
o.T. (Akt). Kohle auf leichtem Karton. 1973. 59,6 x 45,6 cm, im Passepartout freigestellt. Unter Glas gerahmt.
Signiert u. datiert.
Provenienz: Galerie Fred Jahn, München; Privatsammlung Berlin. - William Copley zählt zu jenen Künstlern des 20. Jahrhunderts, die Erotik nicht als Randthema, sondern als zentrales Feld ästhetischer und gesellschaftlicher Reflexion begriffen. In unserer Kohlezeichnung aus dem Jahr 1973 tritt dieser Ansatz in konzentrierter Form hervor und steht somit exemplarisch für Copleys Strategie der "verspielten Obszönität". Die Übertreibung der Körperformen, die ornamentalisierten Strümpfe und die grafische Vereinfachung erzeugen eine Distanz, die den expliziten Charakter bricht. Erotik wird nicht naturalistisch, sondern emblematisch gezeigt. Copley suchte, wie er selbst sagte, nicht nach bloßer Pornographie, sondern danach, "die Barriere der Pornographie zu durchbrechen und in den Bereich der Freude vorzudringen." Diese Haltung unterscheidet ihn maßgeblich von einer rein tabuverletzenden Bildproduktion: Sexualität erscheint bei Copley nicht als voyeuristische Anklage, sondern als kulturelles Phänomen, als integraler Teil menschlicher Erfahrung - komisch, widersprüchlich, überraschend. Die erotische Bildwelt Copleys ist stark stilisiert und oft ironisch aufgeladen. Figuren und Körper werden nicht naturalistisch dargestellt, sondern in einer grafischen, beinahe comichaften Sprache - ein Ansatz, der humoristische Distanz mit unmittelbarer Sinnlichkeit verbindet. Diese Verbindung macht seine Erotikbilder heute zu Schlüsselwerken, die über bloße Provokation hinausgehen: Sie fungieren als kritische Reflexion über die Mechanismen des Begehrens, der Darstellung von Geschlecht und über die Art und Weise, wie westliche Kultur Sexualität konstituiert. Im internationalen Diskurs gilt Copley heute als Vorläufer vieler späterer Entwicklungen in der figurativen Malerei, als Brücke zwischen Surrealismus, Pop Art und zeitgenössischer Aneignungsästhetik. Seine erotischen Arbeiten, darunter auch zahlreiche Zeichnungen und Papierarbeiten aus den 1970er und 80er Jahren, sind nicht nur Zeugnisse seiner künstlerischen Vision, sondern auch Manifestationen seiner Haltung: Sexualität als ästhetisches, kulturelles und philosophisches Thema, das weit über simplen Voyeurismus hinausweist. - Die Ecken mit Löchlein von Reißzwecken sowie zwei winzigen Knitterspuren.
Schätzpreis: 7.000 €
