137

Hubbuch, Karl

(1891 Karlsruhe 1979)

Hubbuch, Karl
(1891 Karlsruhe 1979)
Der Geiger von St. Malo. Lithographie auf chamoisfarbenem Büttenkarton. 1927. 40,1 x 49,9 (50 x 60) cm, unter Passepartout.
Signiert. Verso signiert, datiert u. betitelt sowie mit der Ortsangabe "Karlsruhe" versehen.

Abgebildet in: Karl Hubbuch. Retrospektive. Karlsruhe, Städtische Galerie im PrinzMaxPalais, 1993/94, Katalog-Nr. 155, S. 393. - Extrem seltene Lithographie, die kein weiteres Mal auf dem Kunstmarkt nachweisbar ist. - Mit "Der Geiger von St. Malo" schuf Karl Hubbuch eine der ersten Darstellungen des Freilichtkinos. Der Künstler, der sich intensiv mit der Inszenierung von Gefühlen durch Film und Kino sowie mit der vom neuen Medium begeisterten Zuschauermenge auseinandersetzte, rückte dabei das Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Masse in den Mittelpunkt. Hubbuch fertigte auch eine Federzeichnung zum selben Motiv, deren Komposition mit Ausnahme der leeren Leinwand detailgenau mit der unserer Lithographie übereinstimmt: "Einen geschickten szenischen Schachzug vollzieht der Zeichner mit der Konfrontation des Geigers, im Vordergrund erhöht platziert, und der erwartungsvollen Menge. Indem Hubbuch dem Betrachter einen Blick hinter die Kulissen gewährt, läßt er etwas von der Alltäglichkeit der Fabrikation von Träumen erahnen. Dabei bedient er sich wieder der Verwischung der Grenzen von Innen und Außen über die Spiegelung beleuchteter in verdunkelten Raumsegmenten." (Joachim Heusinger von Waldegg, in: ebd., S. 151) - Die späten 1920er Jahre markieren eine Übergangsphase des Freilichtkinos in der späten Stummfilmzeit. Obwohl der Tonfilm sich gerade durchzusetzen begann, blieben viele Aufführungen - besonders im Freien - zunächst stumm und wurden weiterhin musikalisch begleitet. Vor allem für die Atmosphäre im Freien erwies sich, neben der Trompete und Klarinette, die Geige als besonders durchsetzungsfähig. Die Einzelmusiker, wie hier der Violinist, mussten Szenen live lesen und spontan darauf reagieren. Ihre Aufgabe war es, den Stimmungsverlauf zu verstärken und die Gefühlslagen des Publikums zu lenken, indem sie Aktionsszenen rhythmisch betonten oder narrative Brüche glätteten. Freilichtvorführungen waren dadurch ein sichtbares Zusammenspiel von Bild, Publikum und den Musikern, letztere hier verkörpert durch den "Geiger von St. Malo", den Hubbuch durch den Titel, vor allem aber durch seine Darstellung ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. - Im Passepartoutausschnitt minimal lichtrandig sowie insgesamt leicht stockfleckig.
Schätzpreis: 10.000 €