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Segal, Arthur
(Jassy 1875 - 1944 London)
Segal, Arthur
(Jassy 1875 - 1944 London)
Die Brücke in Rügenwaldermünde. Öl auf Leinwand. 1925. 69,5 x 90 cm. Gerahmt.
Signiert u. datiert (schwer lesbar).
Provenienz: spätestens 1944 Sammlung Marianne Segal, London; wohl 1970 Sammlung Richard Nathanson, London; 1984 Privatsammlung; 2002 Sammlung Matthias Wohlgemuth, Schweiz; 2011 Privatsammlung. - Ausgestellt in: Memorial Exhibition of Oil Paintings, Woodcuts and Sculptures by Arthur Segal. London, The Royal Society of British Artists and Galleries, 1945, Katalog-Nr. 267 oder 277 ("Brücke I" oder "Brücke II", datiert auf 1924); Landscapes by Arthur Segal, Marianne Segal. London, The Cooling Galleries, 1950, Katalog-Nr. 72 sowie abgebildet in: Wulf Herzogenrath und Pavel Liska (Hrsg.), Arthur Segal 1875-1944, Berlin 1987, Katalog-Nr. 302, S. 344. - Unser Gemälde "Die Brücke in Rügenwaldermünde" markiert einen Höhepunkt in Arthur Segals Auseinandersetzung mit urbanen Landschaftsmotiven. Mitte der 1920er Jahre entwickelte der Künstler eine eigenständige Bildsprache, die expressive Farbigkeit mit konstruktiver Ordnung sowie Gegenständlichkeit mit formaler Abstraktion verbindet. Das Werk bündelt zentrale Aspekte seines künstlerischen Denkens: die Reduktion auf elementare Formen, die Autonomie der Farbe und das Interesse an strukturellen Zusammenhängen. Ausgangspunkt ist der pommersche Küstenort Rügenwaldermünde (heute Darlowo). Doch das konkrete Motiv dient weniger der topografischen Wiedergabe als der bildnerischen Transformation. Die Brücke bildet das kompositorische Zentrum: Als diagonaler Impuls strukturiert sie den Raum und lenkt den Blick in die Tiefe, während die umgebenden Architektur- und Landschaftselemente in klar gefasste Farbflächen zerlegt werden. Segal organisiert das Bildfeld rhythmisch. Häuserkörper, Uferzonen und Wasserflächen erscheinen geometrisiert und mosaikartig gegeneinandergesetzt. Die Perspektive ist bewusst gebrochen; Raum entsteht nicht illusionistisch, sondern aus dem Spannungsverhältnis der Flächen. Farbe fungiert dabei als konstruktives Mittel: Warme Erd- und Rottöne stehen kühlen Blau- und Grünwerten gegenüber und erzeugen eine lebendige Balance zwischen Stabilität und Bewegung. Die sichtbare Pinselführung verleiht der Oberfläche eine vibrierende Präsenz, ohne die strenge Komposition aufzulösen. Vor dem Hintergrund von Segals biografischer Erfahrung von Migration, Exil und künstlerischer Neuorientierung erscheint das Bild zugleich als Ausdruck einer existenziellen Suche nach Ordnung und Verbindung - ein Motiv, das sein Leben zwischen Osteuropa, Deutschland und Westeuropa ebenso prägte wie sein malerisches Werk. Durch seine frühe Auseinandersetzung mit dem französischen Neoimpressionismus sowie pointillistischen und divisionistischen Farbtheorien, die er in eine eigene, prismatisch strukturierte Bildsprache transformierte, formte er seinen eigenen unverwechselbaren persönlichen Stil, der europäische Moderne reflektiert und zugleich neu formuliert. - Vereinzeltes Craquelé. Stellenweise kleine Randretuschen.
(Jassy 1875 - 1944 London)
Die Brücke in Rügenwaldermünde. Öl auf Leinwand. 1925. 69,5 x 90 cm. Gerahmt.
Signiert u. datiert (schwer lesbar).
Provenienz: spätestens 1944 Sammlung Marianne Segal, London; wohl 1970 Sammlung Richard Nathanson, London; 1984 Privatsammlung; 2002 Sammlung Matthias Wohlgemuth, Schweiz; 2011 Privatsammlung. - Ausgestellt in: Memorial Exhibition of Oil Paintings, Woodcuts and Sculptures by Arthur Segal. London, The Royal Society of British Artists and Galleries, 1945, Katalog-Nr. 267 oder 277 ("Brücke I" oder "Brücke II", datiert auf 1924); Landscapes by Arthur Segal, Marianne Segal. London, The Cooling Galleries, 1950, Katalog-Nr. 72 sowie abgebildet in: Wulf Herzogenrath und Pavel Liska (Hrsg.), Arthur Segal 1875-1944, Berlin 1987, Katalog-Nr. 302, S. 344. - Unser Gemälde "Die Brücke in Rügenwaldermünde" markiert einen Höhepunkt in Arthur Segals Auseinandersetzung mit urbanen Landschaftsmotiven. Mitte der 1920er Jahre entwickelte der Künstler eine eigenständige Bildsprache, die expressive Farbigkeit mit konstruktiver Ordnung sowie Gegenständlichkeit mit formaler Abstraktion verbindet. Das Werk bündelt zentrale Aspekte seines künstlerischen Denkens: die Reduktion auf elementare Formen, die Autonomie der Farbe und das Interesse an strukturellen Zusammenhängen. Ausgangspunkt ist der pommersche Küstenort Rügenwaldermünde (heute Darlowo). Doch das konkrete Motiv dient weniger der topografischen Wiedergabe als der bildnerischen Transformation. Die Brücke bildet das kompositorische Zentrum: Als diagonaler Impuls strukturiert sie den Raum und lenkt den Blick in die Tiefe, während die umgebenden Architektur- und Landschaftselemente in klar gefasste Farbflächen zerlegt werden. Segal organisiert das Bildfeld rhythmisch. Häuserkörper, Uferzonen und Wasserflächen erscheinen geometrisiert und mosaikartig gegeneinandergesetzt. Die Perspektive ist bewusst gebrochen; Raum entsteht nicht illusionistisch, sondern aus dem Spannungsverhältnis der Flächen. Farbe fungiert dabei als konstruktives Mittel: Warme Erd- und Rottöne stehen kühlen Blau- und Grünwerten gegenüber und erzeugen eine lebendige Balance zwischen Stabilität und Bewegung. Die sichtbare Pinselführung verleiht der Oberfläche eine vibrierende Präsenz, ohne die strenge Komposition aufzulösen. Vor dem Hintergrund von Segals biografischer Erfahrung von Migration, Exil und künstlerischer Neuorientierung erscheint das Bild zugleich als Ausdruck einer existenziellen Suche nach Ordnung und Verbindung - ein Motiv, das sein Leben zwischen Osteuropa, Deutschland und Westeuropa ebenso prägte wie sein malerisches Werk. Durch seine frühe Auseinandersetzung mit dem französischen Neoimpressionismus sowie pointillistischen und divisionistischen Farbtheorien, die er in eine eigene, prismatisch strukturierte Bildsprache transformierte, formte er seinen eigenen unverwechselbaren persönlichen Stil, der europäische Moderne reflektiert und zugleich neu formuliert. - Vereinzeltes Craquelé. Stellenweise kleine Randretuschen.
Estimated price: 90.000 €
