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Scholz, Georg
(Wolfenbüttel 1890 - 1945 Waldkirch)
Scholz, Georg
(Wolfenbüttel 1890 - 1945 Waldkirch)
Kopf Alfred Hildinger (Studie zu "Der Mestize"). Aquarell über Bleistift auf Karton. Um 1920. 25 x 23 cm, unter Passepartout. Unter Glas gerahmt.
Signiert.
Sternfeld 216 - Provenienz: Atelier des Künstlers; Privatsammlung Karlsruhe, seitdem in Familienbesitz. - Ausgestellt in: Georg Scholz. Ein Beitrag zur Diskussion realistischer Kunst. Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1975, Katalog-Nr. 38. - Bei unserem Aquarell handelt es sich um eine Studie zum verschollenen Gemälde "Der Mestize" von 1920 (Sternfeld 32): "Dieses außergewöhnliche Gemälde, das bedauerlicherweise nur in einer Schwarzweißphotographie überliefert ist, wurde von dem progressiven Direktor der Karlsruher Landesgalerie, Dr. Willi F. Storck, 1922 für den Bestand des Museums angekauft. Storcks Nachfolgerin Lilly Fischel tauschte dieses Bild 1928 gegen Scholz' 'Blick aus dem Küchenfenster'. Offenbar holte Scholz das Gemälde nie in der Kunsthalle ab, denn am 30.8.1937 wurde es an die Reichskammer der Bildenden Künste Berlin abgegeben bzw. beschlagnahmt und ist seither verschollen." (Sternfeld, S. 123) Erhalten geblieben ist vorliegende Kopfstudie, die deutlich erkennen lässt, dass Scholz keineswegs einen unbekannten Jungen porträtierte. Tatsächlich diente ihm sein Schwager Alfred Hildinger als Modell. Dessen von Zeitgenossen als "südländisch" beschriebenes Erscheinungsbild sowie die allgemeine Wildwest-Begeisterung der Zeit dürfte dem Künstler den Anstoß gegeben haben, die Szenerie in ein südamerikanisches Land, vermutlich Uruguay, zu versetzen. Dort wurde ab 1861 in Fray Bentos nach dem Verfahren des deutschen Chemikers Justus von Liebig in großen Mengen Fleischextrakt durch die Liebig's Extract of Meat Company hergestellt, deren Fabrik im Bildhintergrund dargestellt ist. "Der Mestize" von 1920 ist eines der frühesten malerischen Beispiele für Scholz' sarkastisch-sozialkritischen Realismus und enthält bereits alle Merkmale, die vom "Zeitungsträger" bis zum "Selbstbildnis vor Litfaßsäule" kennzeichnend für ihn geblieben sind: "[...] die statische Verbindung einer angeschnittenen, nah ins Bildfeld gerückten Vordergrundfigur mit einer real erscheinenden Kulisse. Während der einsame Matrose mit einem Wunschtraum konfrontiert ist, steht der Mestize vor einem Hintergrund, der in seiner Realität so überzeichnet ist, daß er als wirkliche Lebenswelt Züge der Fremdheit bekommt." (Siegmar Holsten, in: Georg Scholz. Gemälde. Zeichnungen. Druckgraphik. Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, 1990, S. 15) - Vereinzelte Lagerspuren.
(Wolfenbüttel 1890 - 1945 Waldkirch)
Kopf Alfred Hildinger (Studie zu "Der Mestize"). Aquarell über Bleistift auf Karton. Um 1920. 25 x 23 cm, unter Passepartout. Unter Glas gerahmt.
Signiert.
Sternfeld 216 - Provenienz: Atelier des Künstlers; Privatsammlung Karlsruhe, seitdem in Familienbesitz. - Ausgestellt in: Georg Scholz. Ein Beitrag zur Diskussion realistischer Kunst. Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1975, Katalog-Nr. 38. - Bei unserem Aquarell handelt es sich um eine Studie zum verschollenen Gemälde "Der Mestize" von 1920 (Sternfeld 32): "Dieses außergewöhnliche Gemälde, das bedauerlicherweise nur in einer Schwarzweißphotographie überliefert ist, wurde von dem progressiven Direktor der Karlsruher Landesgalerie, Dr. Willi F. Storck, 1922 für den Bestand des Museums angekauft. Storcks Nachfolgerin Lilly Fischel tauschte dieses Bild 1928 gegen Scholz' 'Blick aus dem Küchenfenster'. Offenbar holte Scholz das Gemälde nie in der Kunsthalle ab, denn am 30.8.1937 wurde es an die Reichskammer der Bildenden Künste Berlin abgegeben bzw. beschlagnahmt und ist seither verschollen." (Sternfeld, S. 123) Erhalten geblieben ist vorliegende Kopfstudie, die deutlich erkennen lässt, dass Scholz keineswegs einen unbekannten Jungen porträtierte. Tatsächlich diente ihm sein Schwager Alfred Hildinger als Modell. Dessen von Zeitgenossen als "südländisch" beschriebenes Erscheinungsbild sowie die allgemeine Wildwest-Begeisterung der Zeit dürfte dem Künstler den Anstoß gegeben haben, die Szenerie in ein südamerikanisches Land, vermutlich Uruguay, zu versetzen. Dort wurde ab 1861 in Fray Bentos nach dem Verfahren des deutschen Chemikers Justus von Liebig in großen Mengen Fleischextrakt durch die Liebig's Extract of Meat Company hergestellt, deren Fabrik im Bildhintergrund dargestellt ist. "Der Mestize" von 1920 ist eines der frühesten malerischen Beispiele für Scholz' sarkastisch-sozialkritischen Realismus und enthält bereits alle Merkmale, die vom "Zeitungsträger" bis zum "Selbstbildnis vor Litfaßsäule" kennzeichnend für ihn geblieben sind: "[...] die statische Verbindung einer angeschnittenen, nah ins Bildfeld gerückten Vordergrundfigur mit einer real erscheinenden Kulisse. Während der einsame Matrose mit einem Wunschtraum konfrontiert ist, steht der Mestize vor einem Hintergrund, der in seiner Realität so überzeichnet ist, daß er als wirkliche Lebenswelt Züge der Fremdheit bekommt." (Siegmar Holsten, in: Georg Scholz. Gemälde. Zeichnungen. Druckgraphik. Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, 1990, S. 15) - Vereinzelte Lagerspuren.
Estimated price: 5.000 €
