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Muche, Georg

(Querfurt in Sachsen 1895 - 1986 Lindau)

Muche, Georg
(Querfurt in Sachsen 1895 - 1986 Lindau)
o.T. (Abstrakte Komposition). Öl auf Leinwand. Um 1916. 81 x 71 cm. Gerahmt.
Verso vollständig ausgeführte Studie in Öl zum Gemälde "Der Tisch" von 1923 (Droste M 85).

Nicht bei Droste - Die Arbeit lag Frau Dr. Magdalena Droste, Berlin, im Original vor. Wir danken ihr für die freundlichen Auskünfte und die Bestätigung der Authentizität. - Provenienz: Prakapas Gallery, New York; Hauswedell & Nolte, Hamburg, 272. Auktion am 11.6.1988, Katalog-Nr. 883; Galerie Michael Hasenclever, München; Privatsammlung Hessen; Sammlung Philip Niarchos; Privatsammlung Berlin. - Ausgestellt und abgebildet in: Überblick 1994. Ausgewählte Werke. München, Galerie Michael Hasenclever, Katalog-Nr. 1, Titelbild sowie in: Georg Muche. Sturm, Bauhaus, Spätwerk. Bad Homburg v. d. Höhe, Altana Kultur Stiftung im Sinclair-Haus, 1995, Katalog-Nr. 15, S. 85. - "Aus der Fülle der Phantasie entstehen in der Malerei Deutung und Wirklichkeit zugleich. Die Wirklichkeit gibt schauenden Augen die Rätsel auf. Die Deutung ist des Rätsels Antwort." (Georg Muche, in: Blickpunkt. Sturm, Dada, Bauhaus, Gegenwart, München 1961, S. 115) - Um 1914 lernte der junge Muche in Berlin den Sturm-Galeristen Herwarth Walden kennen, der ihn alsbald in seinen Kreis expressionistischer Künstler einführte. In dieser Zeit avancierte Muche mit seinen Arbeiten, die insbesondere durch den glatten Farbauftrag sowie die feinsten, ineinander übergehenden Nuancierungen und Schattierungen geprägt sind, zu einem Vorreiter der abstrakten Malerei (vgl. Magdalena Droste, in: Georg Muche. Das künstlerische Werk 1912-1927, Berlin 1980, S. 20). - Walden, überzeugt von Muches Kunst, nahm ihn unter Vertrag, stellte ihn 1916 in seiner neu gegründeten Kunstschule als Malereilehrer ein und präsentierte seine Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen. Auch die vorliegende Arbeit stammt aus dieser frühen Schaffensphase. Die einzelnen Flächen sind größtenteils durch schwarze Umrisslinien strukturiert. Durch ihre Farbgebung und oftmals miteinander verschmelzenden Nuancen gewinnen die zentralen Bildelemente eine außerordentliche, fast durchscheinende Strahlkraft, sodass die gesamte Komposition die Wirkung eines in Sonnenlicht getauchten Buntglasfensters erhält. - Im Kontrast dazu steht die rückseitige Ölskizze zum Gemälde "Der Tisch" von 1923. Seit 1919 am Bauhaus in Weimar als Formmeister und Leiter der Weberei tätig, setzte sich Muche um 1923 intensiv mit dem modernen Innenraum und dessen Darstellung in Bezug auf Raum, Fläche und Farbe auseinander. Dieser Gegenstandsbezug nimmt in gewisser Weise die kurze Zeit später einsetzende Schaffensphase des Künstlers vorweg: Nachdem der Maler 1927 das Bauhaus verlassen hatte, wandte er der rein abstrakten Kunst den Rücken zu: "Es beginnt die Suche nach dem Antlitz und der Gestalt des Menschen" (Georg Muche, in: Georg Muche. Bilder der Schuld. 1927-1945. Staatliche Museen zu Berlin, 1985, S. 12). - Stellenweise leichtes Craquelé. Vereinzelte kleine Retuschen.
Estimated price: 60.000 €