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Grützke, Johannes
(1937 Berlin 2017)
Grützke, Johannes
(1937 Berlin 2017)
Kopf in Händen haltend. Öl u. Tempera auf grobem Leinen. 1965. 75,5 x 60 cm. Gerahmt.
Monogrammiert. Verso signiert u. datiert.
Das 1965 entstandene Selbstbildnis Grützkes "Kopf in Händen haltend" markiert eine entscheidende Phase seiner künstlerischen Entwicklung unmittelbar nach dem Abschluss seines Studiums an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Das Entstehungsjahr fällt in eine biografische Umbruchzeit: Nach einem kurzen Aufenthalt in Bad Godesberg kehrte Grützke nach Berlin zurück und begann jene unverwechselbare Bildsprache auszubilden, die ihn später zu einem der bedeutendsten Vertreter der figurativen Malerei in Deutschland machen sollte. Das Gemälde zeigt den Künstler in einer radikal verkürzten Nahsicht, sein eigenes Antlitz gleichsam vor sich hertragend, als ließe sich Identität aus dem Körper herauslösen und zum Objekt der Betrachtung machen. Hinter der Hauptfigur erscheint er selbst in Form einer weiteren, kleineren Gestalt, die den Eindruck einer räumlichen wie psychischen Staffelung verstärkt. Diese Vervielfachung des Selbst verweist auf ein zentrales Thema Grützkes: das Selbstbildnis nicht als psychologische Offenbarung, sondern als malerisches Experiment über Identität und Wahrnehmung. Der Künstler spielt mit der Differenz zwischen Gesicht und Maske, zwischen physiognomischer Erscheinung und sozialer Rolle. Das Gesicht wird nicht als unveränderlicher Ausdruck des Individuums verstanden, sondern als formbares Material, das sich vergrößern, verzerren oder gar vom Körper ablösen lässt. Bereits hier zeigt sich jene skeptische Haltung gegenüber einem romantischen Begriff des Selbstporträts, die Grützkes gesamtes Oeuvre prägen sollte.
(1937 Berlin 2017)
Kopf in Händen haltend. Öl u. Tempera auf grobem Leinen. 1965. 75,5 x 60 cm. Gerahmt.
Monogrammiert. Verso signiert u. datiert.
Das 1965 entstandene Selbstbildnis Grützkes "Kopf in Händen haltend" markiert eine entscheidende Phase seiner künstlerischen Entwicklung unmittelbar nach dem Abschluss seines Studiums an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Das Entstehungsjahr fällt in eine biografische Umbruchzeit: Nach einem kurzen Aufenthalt in Bad Godesberg kehrte Grützke nach Berlin zurück und begann jene unverwechselbare Bildsprache auszubilden, die ihn später zu einem der bedeutendsten Vertreter der figurativen Malerei in Deutschland machen sollte. Das Gemälde zeigt den Künstler in einer radikal verkürzten Nahsicht, sein eigenes Antlitz gleichsam vor sich hertragend, als ließe sich Identität aus dem Körper herauslösen und zum Objekt der Betrachtung machen. Hinter der Hauptfigur erscheint er selbst in Form einer weiteren, kleineren Gestalt, die den Eindruck einer räumlichen wie psychischen Staffelung verstärkt. Diese Vervielfachung des Selbst verweist auf ein zentrales Thema Grützkes: das Selbstbildnis nicht als psychologische Offenbarung, sondern als malerisches Experiment über Identität und Wahrnehmung. Der Künstler spielt mit der Differenz zwischen Gesicht und Maske, zwischen physiognomischer Erscheinung und sozialer Rolle. Das Gesicht wird nicht als unveränderlicher Ausdruck des Individuums verstanden, sondern als formbares Material, das sich vergrößern, verzerren oder gar vom Körper ablösen lässt. Bereits hier zeigt sich jene skeptische Haltung gegenüber einem romantischen Begriff des Selbstporträts, die Grützkes gesamtes Oeuvre prägen sollte.
Schätzpreis: 5.000 €
