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Sitte, Willi

(Kratzau 1921 - 2013 Halle an der Saale)

Sitte, Willi
(Kratzau 1921 - 2013 Halle an der Saale)
Studie mit Akten (Strand). Öl, Gouache sowie Pinsel u. Feder in Tusche auf festem Karton. 1960. 54 x 61 cm. Gerahmt.
Signiert u. datiert. Verso datiert u. betitelt.

Provenienz: Privatsammlung Berlin, direkt vom Künstler erworben. - Die vorliegende Studie zählt zu den frühen Beispielen des Motivs "Menschen am Strand", das in der ostdeutschen Gesellschaft zu einem Sinnbild für Sehnsucht, Freiheit und vorübergehende Unbeschwertheit in den 60er und 70er Jahren werden sollte. Am Strand schienen alle gleich zu sein; für die Dauer weniger Urlaubstage konnten die Sorgen und Zwänge des Alltags in den Hintergrund treten. Mit seinem freien, gestischen Duktus und dem lebendigen Farbauftrag verdichtet Sitte schwebende Formen, Sand und menschliche Körper zu einem atmosphärischen Ganzen. Wie eine flüchtige Erinnerung mit nur angedeuteten Konturen und Formen heben sich die Figuren vor einem grauen Hintergrund ab. Einzelne Körper, Bewegungen und Details werden bei näherer Betrachtung sichtbar, bleiben jedoch insgesamt bewusst diffus und offen. So entsteht das Bild einer Gemeinschaft aus Paaren und Einzelpersonen, die weniger durch ihre Beziehungen als vielmehr durch den Ort und ihre Menschlichkeit miteinander verbunden sind. Auf eindrucksvolle Weise vermittelt Sitte das lichte, sommerliche Gefühl einer unbeschwerten Gemeinschaft. Bei einem Interview mit Günter Gaus im Berliner Rundfunk 1996 erklärte Willi Sitte zu seiner Vorliebe für Aktmalerei: "Das ist für mich die große Leidenschaft. Der Mensch ist für mich der eigentliche Mittelpunkt. Deswegen kann ich vom Menschen, den der liebe Gott geschaffen hat, als Maler nicht ablassen." (Gespräch, RBB, 14.09.1996, Text online). - Die Ecken mit Löchlein von Reißzwecken.
Schätzpreis: 6.000 €