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Balkenhol, Stephan
(Fritzlar 1957 - lebt in Karlsruhe)
Balkenhol, Stephan
(Fritzlar 1957 - lebt in Karlsruhe)
Mann mit weißem Hemd. Bronze, bemalt. 2007. 56 x 26 x 20 cm.
Auf der Plinthe monogrammiert u. nummeriert "19/25" sowie mit dem Stempel der Gießerei Strassacker, Süßen, versehen.
Provenienz: Vom Vorbesitzer 2008 in der Galerie Thomas, München, erworben (Rechnung in Kopie beigegeben, auf der Standfläche Etikett der Galerie). - Stephan Balkenhol zeigt keinen Helden und kein individuelles Porträt, sondern einen Menschen von beinahe demonstrativer Alltäglichkeit. Mit solchen anonymen Einzelfiguren erneuerte Balkenhol seit den 1980er Jahren die lange Zeit in den Hintergrund getretene Tradition der figurativen Skulptur. Nach seiner Ausbildung bei dem Minimalisten Ulrich Rückriem verbindet er die unmittelbare Präsenz des menschlichen Körpers mit einer bewussten formalen Reduktion. Auch der Mann mit weißem Hemd erscheint zugleich gegenwärtig und distanziert. Die Figur bietet keine eindeutige Gefühlslage an, sondern wird zur Projektionsfläche für die Wahrnehmung des Betrachters. Obwohl das Werk in Bronze ausgeführt ist, bewahrt seine Oberfläche deutlich den Charakter von Balkenhols bevorzugtem Arbeitsmaterial, dem Holz. Kerben, kantige Übergänge und unregelmäßige Vertiefungen erinnern an die Spuren von Beitel und Klüpfel. Der Bronzeguss konserviert damit nicht nur die Gestalt, sondern auch die sichtbare Energie des bildhauerischen Prozesses. Gerade im Kontrast zur Dauerhaftigkeit und kunsthistorischen Würde der Bronze entfaltet diese bewusst ungeschliffene Modellierung eine besondere Spannung. Das traditionsreiche Material wird nicht zur Heroisierung eingesetzt, sondern verleiht einem gewöhnlichen Zeitgenossen monumentale Beständigkeit. Die zurückhaltende Bemalung gliedert den Körper in klare Farbzonen: Das leuchtende Weiß des Hemdes hebt den Oberkörper hervor, während die dunkle Hose die Figur optisch erdet. Farbigkeit und raue Oberfläche verhindern zugleich den Eindruck illusionistischer Lebensechtheit; stets bleibt die Figur als gemachtes Bildwerk erkennbar. In diesem Schwebezustand zwischen Individualität und Typus, Nähe und Fremdheit liegt die besondere Wirkung der Skulptur. Balkenhols Mann steht fest im Raum, doch seine Geschichte bleibt offen. Gerade diese erzählerische Leerstelle macht ihn zu einem prägnanten Bild des modernen Menschen: äußerlich vertraut, körperlich präsent und dennoch letztlich nicht zu entschlüsseln.
(Fritzlar 1957 - lebt in Karlsruhe)
Mann mit weißem Hemd. Bronze, bemalt. 2007. 56 x 26 x 20 cm.
Auf der Plinthe monogrammiert u. nummeriert "19/25" sowie mit dem Stempel der Gießerei Strassacker, Süßen, versehen.
Provenienz: Vom Vorbesitzer 2008 in der Galerie Thomas, München, erworben (Rechnung in Kopie beigegeben, auf der Standfläche Etikett der Galerie). - Stephan Balkenhol zeigt keinen Helden und kein individuelles Porträt, sondern einen Menschen von beinahe demonstrativer Alltäglichkeit. Mit solchen anonymen Einzelfiguren erneuerte Balkenhol seit den 1980er Jahren die lange Zeit in den Hintergrund getretene Tradition der figurativen Skulptur. Nach seiner Ausbildung bei dem Minimalisten Ulrich Rückriem verbindet er die unmittelbare Präsenz des menschlichen Körpers mit einer bewussten formalen Reduktion. Auch der Mann mit weißem Hemd erscheint zugleich gegenwärtig und distanziert. Die Figur bietet keine eindeutige Gefühlslage an, sondern wird zur Projektionsfläche für die Wahrnehmung des Betrachters. Obwohl das Werk in Bronze ausgeführt ist, bewahrt seine Oberfläche deutlich den Charakter von Balkenhols bevorzugtem Arbeitsmaterial, dem Holz. Kerben, kantige Übergänge und unregelmäßige Vertiefungen erinnern an die Spuren von Beitel und Klüpfel. Der Bronzeguss konserviert damit nicht nur die Gestalt, sondern auch die sichtbare Energie des bildhauerischen Prozesses. Gerade im Kontrast zur Dauerhaftigkeit und kunsthistorischen Würde der Bronze entfaltet diese bewusst ungeschliffene Modellierung eine besondere Spannung. Das traditionsreiche Material wird nicht zur Heroisierung eingesetzt, sondern verleiht einem gewöhnlichen Zeitgenossen monumentale Beständigkeit. Die zurückhaltende Bemalung gliedert den Körper in klare Farbzonen: Das leuchtende Weiß des Hemdes hebt den Oberkörper hervor, während die dunkle Hose die Figur optisch erdet. Farbigkeit und raue Oberfläche verhindern zugleich den Eindruck illusionistischer Lebensechtheit; stets bleibt die Figur als gemachtes Bildwerk erkennbar. In diesem Schwebezustand zwischen Individualität und Typus, Nähe und Fremdheit liegt die besondere Wirkung der Skulptur. Balkenhols Mann steht fest im Raum, doch seine Geschichte bleibt offen. Gerade diese erzählerische Leerstelle macht ihn zu einem prägnanten Bild des modernen Menschen: äußerlich vertraut, körperlich präsent und dennoch letztlich nicht zu entschlüsseln.
Schätzpreis: 15.000 €
