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Böckstiegel, Peter August
(1889 Arrode 1951)
Böckstiegel, Peter August
(1889 Arrode 1951)
Mein Vater. Öl auf Leinwand. 1926. 66 x 57 cm. Im Original-Künstlerrahmen.
Signiert, datiert u. mit der Ortsangabe "Arrode" versehen. Verso auf dem Keilrahmen ebenfalls signiert, datiert, betitelt u. bezeichnet "Arrode".
Riedel 186 - Provenienz: Privatsammlung Wiesbaden; Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion 315 am 01.12.1995, Katalog-Nr. 47, dort vom Vorbesitzer erworben (Rechnung in Kopie beigegeben). - Sein Vater war für Böckstiegel weit mehr als bloß Modell - in ihm verdichtete sich eine ganze Lebenswelt, geprägt von harter Arbeit und stiller Würde. Eindrücklich offenbart das Porträt den Kern von Böckstiegels künstlerischem Schaffen: die tiefe Verbundenheit mit seiner westfälischen Heimat und ihren Menschen. - Mit kräftigem, pastosem Farbauftrag und expressivem Pinselduktus steigerte der Künstler das Antlitz des alten Mannes zu einem nahezu monumentalen Charakterkopf. Leuchtendes Rot, erdiges Braun, Gelb, Weiß und dunkles Blau überlagern sich in grob modellierten Partien und verleihen dem zerfurchten Gesicht eine eindringliche, beinahe plastische Präsenz. Der freie, dynamische Pinselstrich vermittelt einen Eindruck von Unmittelbarkeit und Spontaneität und verleiht der Figur Lebendigkeit. Diese Wirkung wird durch den vom Künstler aufwendig gestalteten Rahmen maßgeblich intensiviert. Er fungiert nicht nur als Einfassung, sondern als bewusstes kompositorisches Element, das den Blick bündelt und die expressive Kraft des Porträts nachhaltig steigert. Die vertiefte Auseinandersetzung mit den Bildnissen seiner Eltern schilderte Böckstiegel selbst eindringlich: "Meine Eltern als erdverbundene Menschen, die unermüdlich ihr ganzes Leben lang mit ausdauerndem Fleiß und größter Liebe ihr Ackerland in Arrode bebauten, wurden mir in meiner Arbeit als Künstler zum Träger, zum Sinnbild des Menschentums. Die Sorgen des Lebens, die harte Arbeit im Haus und in der Natur gruben tiefe Runen in die Gesichter, machten sie kernhaft und stark, formten Geist und Seele zu erhabener Einheit. [...] Eine große Anzahl von diesen Werken haben in Museen und Privatsammlungen Platz gefunden. Sie leuchten in einer starken, strahlenden Farbe, einer schweren, gebundenen Form, tiefem seelischen Ausdruck, 'alles Erdnähe', als feste, große, plastische Gestalten stehen Sie klar umrissen im Bilde, sehen den Beschauer an." (Böckstiegel, Wie ich als Maler zu der Gestaltung der Plastik kam, in: Deutsche Frauen-Zeitung, 45, Nr. 3, Leipzig 1932) Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten änderte sich die Lebens- und Arbeitssituation Böckstiegels dramatisch. Seine expressionistische Bildsprache entsprach nicht dem propagierten Kunstideal des Regimes, so dass zahlreiche Werke im Zuge der Aktion "Entartete Kunst" aus öffentlichen Sammlungen entfernt wurden. Die Bombardierung Dresdens im Februar 1945 bedeutete einen weiteren schweren Einschnitt, denn sein Dresdner Atelier wurde zerstört und mit ihm gingen viele Arbeiten unwiederbringlich verloren. - Der Rahmen verso mit einem Etikett des Kunsthauses Schaller, Stuttgart. - Vereinzeltes minimales Craquelé.
(1889 Arrode 1951)
Mein Vater. Öl auf Leinwand. 1926. 66 x 57 cm. Im Original-Künstlerrahmen.
Signiert, datiert u. mit der Ortsangabe "Arrode" versehen. Verso auf dem Keilrahmen ebenfalls signiert, datiert, betitelt u. bezeichnet "Arrode".
Riedel 186 - Provenienz: Privatsammlung Wiesbaden; Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion 315 am 01.12.1995, Katalog-Nr. 47, dort vom Vorbesitzer erworben (Rechnung in Kopie beigegeben). - Sein Vater war für Böckstiegel weit mehr als bloß Modell - in ihm verdichtete sich eine ganze Lebenswelt, geprägt von harter Arbeit und stiller Würde. Eindrücklich offenbart das Porträt den Kern von Böckstiegels künstlerischem Schaffen: die tiefe Verbundenheit mit seiner westfälischen Heimat und ihren Menschen. - Mit kräftigem, pastosem Farbauftrag und expressivem Pinselduktus steigerte der Künstler das Antlitz des alten Mannes zu einem nahezu monumentalen Charakterkopf. Leuchtendes Rot, erdiges Braun, Gelb, Weiß und dunkles Blau überlagern sich in grob modellierten Partien und verleihen dem zerfurchten Gesicht eine eindringliche, beinahe plastische Präsenz. Der freie, dynamische Pinselstrich vermittelt einen Eindruck von Unmittelbarkeit und Spontaneität und verleiht der Figur Lebendigkeit. Diese Wirkung wird durch den vom Künstler aufwendig gestalteten Rahmen maßgeblich intensiviert. Er fungiert nicht nur als Einfassung, sondern als bewusstes kompositorisches Element, das den Blick bündelt und die expressive Kraft des Porträts nachhaltig steigert. Die vertiefte Auseinandersetzung mit den Bildnissen seiner Eltern schilderte Böckstiegel selbst eindringlich: "Meine Eltern als erdverbundene Menschen, die unermüdlich ihr ganzes Leben lang mit ausdauerndem Fleiß und größter Liebe ihr Ackerland in Arrode bebauten, wurden mir in meiner Arbeit als Künstler zum Träger, zum Sinnbild des Menschentums. Die Sorgen des Lebens, die harte Arbeit im Haus und in der Natur gruben tiefe Runen in die Gesichter, machten sie kernhaft und stark, formten Geist und Seele zu erhabener Einheit. [...] Eine große Anzahl von diesen Werken haben in Museen und Privatsammlungen Platz gefunden. Sie leuchten in einer starken, strahlenden Farbe, einer schweren, gebundenen Form, tiefem seelischen Ausdruck, 'alles Erdnähe', als feste, große, plastische Gestalten stehen Sie klar umrissen im Bilde, sehen den Beschauer an." (Böckstiegel, Wie ich als Maler zu der Gestaltung der Plastik kam, in: Deutsche Frauen-Zeitung, 45, Nr. 3, Leipzig 1932) Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten änderte sich die Lebens- und Arbeitssituation Böckstiegels dramatisch. Seine expressionistische Bildsprache entsprach nicht dem propagierten Kunstideal des Regimes, so dass zahlreiche Werke im Zuge der Aktion "Entartete Kunst" aus öffentlichen Sammlungen entfernt wurden. Die Bombardierung Dresdens im Februar 1945 bedeutete einen weiteren schweren Einschnitt, denn sein Dresdner Atelier wurde zerstört und mit ihm gingen viele Arbeiten unwiederbringlich verloren. - Der Rahmen verso mit einem Etikett des Kunsthauses Schaller, Stuttgart. - Vereinzeltes minimales Craquelé.
Schätzpreis: 18.000 €
