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Kontuly, Béla

(Miskolc 1904 - 1983 Budapest)

Kontuly, Béla
(Miskolc 1904 - 1983 Budapest)
Selbstporträt. Öl auf Leinwand. Um 1928. 60,5 x 45,5 cm. Gerahmt.
Verso von fremder Hand bezeichnet u. betitelt.

Auf diesem eindringlichen Selbstbildnis begegnet Kontuly dem Betrachter mit konzentriertem, nahezu prüfendem Blick. In frontal angelegter Halbfigur inszeniert der Künstler sich in formalem Anzug und Fliege - ein Selbstentwurf, der künstlerische Professionalität und bürgerliche Selbstbehauptung gleichermaßen betont. Besonders prägnant ist die kompositorische Zweiteilung: Links öffnet sich das Bild wie durch ein Fenster in eine helle, weit ausgreifende Landschaft mit wolkenbewegtem Himmel, während rechts eine dunkle, nahezu monochrome Fläche das Gesicht in dramatischer Licht-Schatten-Wirkung modelliert. Diese Gegenüberstellung - Naturraum und Innenraum, Offenheit und Verdichtung - hat symbolischen Charakter. Sie kann als bildnerische Reflexion über die Rolle des Künstlers gelesen werden: zwischen Weltbeobachtung und innerer Sammlung, zwischen Außenwirklichkeit und subjektiver Wahrnehmung. Die Malweise verbindet neusachliche Partien mit weicheren Übergängen. Kontuly gestaltet das Gesicht mit präziser Zeichnung und fein abgestuften Tonwerten, wodurch ein fast skulpturaler Eindruck entsteht. Gleichzeitig setzen die Landschaftspartie und die Wolkenformationen einen malerischeren, atmosphärischen Akzent. Die Farbigkeit bleibt insgesamt gedämpft, wobei der starke Hell-Dunkel-Kontrast den Ausdruck intensiviert und dem Werk eine psychologische Spannung verleiht. - Kontuly hatte an der Akademie der Bildenden Künste in Prag und der Hochschule für Bildende Künste in Budapest unter István Réti und Andor Dudits studiert. Bereits während seines Studiums konnte er im Museum der Ostslowakei in Kosice ausstellen und erhielt 1928 den Benczúr-Preis, eine Anerkennung des Talents des Malers, der später zahlreiche weitere renommierte Preise gewinnen sollte, darunter den Klebelsberg-Preis und die Wiener Goldmedaille. In den 1930er Jahren stellte er seine Werke im Ernst Museum in Budapest aus und trat der Künstlergilde Munkácsy bei. Die neue Sachlichkeit des italienischen Novecento gab Kontulys Malstil neue Impulse, als er von 1928 bis 1930 gemeinsam mit seiner Frau Hajnalka Fuchs Stipendiat der Ungarischen Akademie in Rom war. Neben der Ausmalung zahlreicher Kirchen und Sakralbauten, trat er insbesondere durch seine klaren und realistischen Porträts hervor. 2004 widmete ihm die Kunsthalle in Budapest eine Retrospektive zum 100. Geburtstag. - Retuschen.
Schätzpreis: 10.000 €