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Bacon, Francis

(Dublin 1909 - 1992 Madrid)

Bacon, Francis
(Dublin 1909 - 1992 Madrid)
Three Studies for a Self-Portrait. Farblithographie auf Büttenkarton. 1990. 34 x 89 (52 x 94) cm. Unter Glas gerahmt.
Signiert u. nummeriert "53/60".

Sabatier 26 - Herausgegeben von Michel Archimbaud für die Librairie Séguier, Paris. - Nach dem gleichnamigen Triptychon von 1983 im Honolulu Museum of Art. - Bereits in den 1960er Jahren waren Bildnisse zum Hauptthema von Francis Bacon geworden. Eine entscheidende Rolle spielte hierfür sein damaliger Lebensgefährte George Dyer, ein Londoner Kleinkrimineller, den Bacon 1963 kennengelernt hatte. Dyer wurde zu einem seiner wichtigsten Modelle; daneben porträtierte Bacon zahlreiche Freunde und Personen aus seinem engen Umfeld. Als Vorlagen für seine Arbeiten dienten ihm vor allem Fotografien, viele davon aufgenommen von seinem Freund John Deakin, einem Straßen- und Modefotografen, der unter anderem für die Vogue arbeitete. Die Fotografie war für Bacon jedoch kein Mittel zur exakten Reproduktion, sondern Ausgangspunkt einer malerischen Transformation, denn es ging ihm nie um die getreue, physiognomische Wiedergabe einer Person; vielmehr suchte er nach dem Ausdruck des Charismas, nach der Ausstrahlung seines Gegenübers. Dabei deformierte Bacon dessen Antlitz und verzerrte die Proportionen: Gesichtspartien fließen ineinander, mimische Ausdrucksweisen werden isoliert oder wie unter Druck verschoben - geometrische Formen wie Kreise, Schraffuren, Ovale dominieren und lassen Augen, Mund und Nase häufig versetzt oder fragmentiert erscheinen. Bacon betrachtete jedes seiner Bilder als Teil eines fortwährenden Wandlungsprozesses und dachte seine Werke in Serien, als sich stetig verändernde Variationen eines Motivs. Deshalb wurde das Triptychon zu seiner bevorzugten Darstellungsform für seine Porträts: Drei nebeneinandergesetzte Tafeln erlaubten es ihm, unterschiedliche Zustände einer Figur als Sequenz beziehungsweise als Verschiebung gleichzeitig sichtbar zu machen. Eine tiefgreifende Zäsur bedeutete das Jahr 1971: Zwei Tage vor der Eröffnung seiner großen Retrospektive im Pariser Grand Palais starb George Dyer in Paris an einer Drogenüberdosis. Dieses Ereignis und das bedrückende Gefühl, dass seine engen Bezugspersonen "wie Fliegen starben", stürzten Bacon in eine existenzielle Krise. In der Folge begann er, obsessiv Selbstbildnisse zu schaffen. Gleichzeitig abstrahierte er zunehmend die dargestellten Raumkulissen. So beschränkte er ab den 1980er Jahren die Hintergründe seiner Porträts vermehrt auf monochrome Farbflächen oder deutete die Raumtiefe lediglich durch abstrakte Perspektivlinien an. Die so noch stärker hervortretende Figur erscheint isoliert, gleichsam in ein farbiges Vakuum gesetzt. Unsere Arbeit, die zwei Jahre vor seinem Tod entstand, ist Zeugnis der ungebrochenen künstlerischen Energie Bacons und steht repräsentativ für das Werk eines Malers, der das Bild als offenen Prozess verstand, als Ort permanenter Veränderung und Reflektion einer schonungslosen (Selbst)Befragung.
Schätzpreis: 10.000 €