Alle Werke (500)
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Walter-Kurau, Johann
(Jelgava 1869 - 1932 Berlin)
Weiblicher Rückenakt. Öl auf Leinwand. 1919. 63 x 74 cm. Gerahmt.
Signiert u. datiert. Verso ein weiteres vollwertiges Ölgemälde "Waldlandschaft" (Um 1912).

Vorder- wie Rückseite abgebildet in: Kristiana Abele, Johans Valters, Riga 2009, S. 262 und 206. - Auf der Höhe seines künstlerischen Wirkens schuf der in Lettland geborene Johann Walter-Kurau das vorliegende Gemälde in seiner Wahlheimat Berlin. An der Akademie in St. Petersburg bestens ausgebildet, emigrierte der Künstler 1906 nach Dresden, um sich schließlich 1917 in Berlin niederzulassen. In seiner Malerei suchte Walter-Kurau nach der "fehlenden Verbindung" zwischen Impressionismus und der modernen Ungegenständlichkeit, indem er eine abstrahierende Naturdarstellung kultivierte, die, von natürlichen Elementen und beschreibenden Effekten ausgehend, eine autonome koloristische und ornamentale Struktur ermöglichte. Stets spiegelte er das Dargestellte abbildhaft wider, verwandelte es jedoch in einen inneren Rhythmus aus Farben, Formen und Texturen. - Die Bilder aus seinem impressionistisch geprägten Frühwerk werden durch Lichtreflexe auf Wasseroberflächen, Lichtspiele unter Bäumen oder in künstlich beleuchteten Interieurs bestimmt. Um den Farbakkord seiner Motive in einer abstrakteren Melodie zu erfassen, verstärkte Walter-Kurau zunehmend den pastosen Pinselauftrag, stilisierte den Ausdruck und wurde freier in seiner Form. Die auf der Rückseite des vorliegenden Bildes um 1912 entstandene "Waldlandschaft" ist fast gänzlich von einem stakkatohaften Malvorgang geprägt. Die fein nuancierten Grün-Abstufungen wurden mit breitem Pinsel pointilistisch appliziert und rhythmisieren das flirrende Farbgeflecht in einem expressiven Malduktus. (vgl. www.makslasvesture.lv) - Das Hauptwerk, die Vorderseite, gibt einen ergreifenden weiblichen Rückenakt von 1919 wieder. Hier hat der Künstler seine expressive Malweise weiterentwickelt. Nicht die Plastizität der Farben steht nun im Vordergrund, sondern das rhythmische Wechselspiel der Formen. Der zuvor deutliche Pinselstrich ist zugunsten eines feinen Farbauftrags gewichen, ein konturbetonter Körper mit intensivem Ausdruck steht nun im Mittelpunkt. Umwoben von mannigfaltig bewegten Stoffbahnen kauert das sinnliche Modell, ihr Kinn lustvoll an die Schulter gelehnt. Die feine Tonalität der Farben, befreit von starken Kontrasten, scheint ineinander überzufließen. An Knie und Schulter verschmilzt der Körper regelrecht mit dem Hintergrund und vermittelt so einen sinnlichen und intensiven Eindruck von Wärme und Geborgenheit, der sich uneingeschränkt auf den Betrachter überträgt. Zu seinen Bildern hielt Walter-Kurau fest: "Der Widerstreit von Natur und entzündeter Phantasie führt in die Tiefe des Gefühls." (nach Osis/Wolter, S. 27) - In seiner Charlottenburger Malschule gab Walter-Kurau diese Einsichten an zahlreiche Schüler weiter: Neben Hans Zank, Willi Gericke und Otto Manigk, an viele, jetzt erst einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werdenden Künstlerinnen wie Eva Langkammer, Else Lohmann, Minna Köhler-Roeber, Florence Henri, Karen Schacht, Luise Grimm und andere.
Zuschlagspreis: 40.000 € (unter Vorbehalt)
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Wilhelm, Paul
(Greiz 1886 - 1965 Radebeul bei Dresden)
Der sommerliche Garten des Künstlers mit Veranda. Öl auf Leinwand. Um 1923. 77 x 57 cm. Gerahmt.
Signiert. Verso signiert, betitelt "Landhaus" bzw. "Garten 3" u. mit der Adresse des Künstlers versehen.

Abgebildet in: Paul Wilhelm zum 100. Geburtstag. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Grafik. Dresden, Albertinum, 1987, S. 60. - Paul Wilhelms Schaffen ist tief mit seinem Garten verwurzelt, der ihn fortwährend zu neuen Bildfindungen anregte und einen unabdingbaren Teil seines Werkes bildet. Zuerst allein im Turmhaus des Grundhofs in Niederlößnitz wohnend, suchte er nach seiner Hochzeit 1919 ein eigenes Heim, das die Frischvermählten 1920 in der Villa Elfriede fanden. Sie schufen daraus ein kleines Eden, dessen Zauber Wilhelm im vorliegenden, frühen Gemälde beeindruckend festhielt. Niemand kann die Bedeutung und Stimmung dieses Gartens besser in Worte kleiden als der hellsichtige Werner Schmidt: "Wer heute das zweistöckige Gebäude Gradesteg 46 in Radebeul aufsucht, kann keine Vorstellung mehr gewinnen von der unverwechselbaren Atmosphäre des Hauses, das einst mit seinem Garten von Paul Wilhelm durch Jahrzehnte hindurch geprägt worden war. In seinen Maßen bescheiden und traulich, hatte es durch den sicheren Formsinn des Hausherrn und seiner Gattin Stil und Würde erhalten. Weit entfernt von Reichtum und Pracht, ohne Anzeichen von Aufwand fügten sich die Dinge gelassen und selbstverständlich an einander und in den Raum. Ein seltsamer Schimmer von Noblesse verklärte das Ganze, [.] Der Garten diente verschiedenen Zwecken. Am Hauseingang breitete sich Rasen, der nach Norden von dem kapellenartigen Waschhaus, nach Süden von Bäumen und Büschen schützend umgrenzt war und mit Gartenmöbeln einen Raum geselligen Verweilens ergab. Vom Frühling bis in den späten Oktober hinein baten die Gäste den Künstler um einen Gang in seinen Garten, wo unter der Pflege des Kenners alles, was Blüten tragen konnte, gedieh. Die legendären Rittersporne, denen die Passion des Züchters galt, wuchsen auf einer Reihe von Beeten, die den Mittelteil des Gartens einnahmen. Die wirtschaftlichen Zwecke mit den Gefilden für Kräuter und Gemüse erlangten in den Jahren von Krieg und Nachkriegszeit steigende Bedeutung, gehörten aber stets dazu. Frau Marion blieb ihren braven Hühnern, denen die Voliere neben dem Waschhaus zugewiesen war, selbst dann noch gewogen, als diese einmal kostbare, aus Amerika geschickte Samen von wunderbar großen Windenblüten gefressen hatten. Auf Wilhelms Bildern klingen die weißen Flecken des nützlichen Leghorns mit den Blautönen luxuriöser Delphinium-Hybriden harmonisch zusammen. - Eine fast mannshohe Ziegelmauer umfriedete den Garten und schützte Wilhelms Arkadien, das er vier Jahrzehnte hindurch hegte und das den Maler mit unschätzbaren Anregungen reich entlohnte." (Werner Schmidt, Paul Wilhelm zum 100. Geburtstag. Dresden, Albertinum, 1987, S. 7f.)
Limitpreis: 12.000 €