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Vasarely, Victor
(Pecs 1906 - 1997 Paris)
Horna. Acryl auf Leinwand. 1957/87. 90 x 62 cm. Gerahmt.
Signiert. Verso signiert, datiert (1957 conception / 1987 création), betitelt u. mit der Werknummer "1454" sowie einem Ausstellungsetikett der Galerie Neher, Essen, versehen.

Die Echtheit der vorliegenden Arbeit wurde von Pierre Vasarely bestätigt. Das Werk wird von der Fondation Vasarely, Aix-en-Provence, in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Gemälde von Victor Vasarely aufgenommen. - Die Bildidee stammt von 1957, die Ausführung der Arbeit erfolgte 1987. - Vasarely wurde 1906 als Gyözö Vásárhelyi in Pécs, Ungarn, geboren und begann 1927 seine künstlerische Ausbildung an einer privaten Zeichenschule in Budapest. Im folgenden Jahr wechselte er an die "Mühely" (dt. "Werkstatt") Schule für Werbegrafik, die Sándor Bortnyik in der Tradition des Bauhauses gegründet hatte. 1930, nach seiner Ausbildung, zog Vasarely nach Paris, wo er als Gebrauchsgrafiker seinen Lebensunterhalt verdiente. Systematisch befasste er sich mit den verschiedenen optischen und emotionalen Mitteln der Grafik und entwickelte dabei eine eigenständige, geometrische Abstraktion, die ihn in den folgenden Jahrzehnten zum Mitbegründer der Op-Art und einem gefeierten Künstler der 60er und 70er Jahre werden ließ. - Mit einem stark begrenzten Formenvokabular aus Quadrat, Raute, Dreieck, Kreis und Stabform schuf Vasarely - in einer oft leuchtenden Farbigkeit - optische Verwirrspiele und kinetische Effekte. In ihnen offenbart sich eine Lust an der visuellen Irritation und der Erforschung menschlicher Sehgewohnheiten. Die Bildfläche scheint sich zu bewegen, zu flirren und ihre Zweidimensionalität zu verlassen. Es entstehen Werke, die dem Auge keine Ruhe gönnen: "Der visuelle Reflex, der beim Betrachten der Bilder angereizt wird, ist stärker als die strukturelle Reflexion und setzt kein kulturelles Vorwissen voraus." (Anne Lahumière, Strukturen der Wahrnehmung, 1994) - Auch in "Horna" von 1957/87 konfrontiert Vasarely den Betrachter mit einem schwarz-gelben Gitterwerk auf einer lila Farbfläche, das sich logisch nicht enträtseln lässt. Stellenweise dreidimensional, dann wieder flächig, verschieben sich unterschiedliche Formen gegeneinander, durchdringen sich oder treffen mit harten Kanten aufeinander. Es entsteht eine kristalline Struktur, die vor der lila Farbfläche zu schweben scheint. Allein mit den Mitteln der Farbe evoziert Vasarely so einen Tiefenraum, der die vollständig abstrakten Farbflächen räumlich miteinander in Beziehung setzt. - "Durch Überlegungen bin ich zu folgender Hypothese gekommen: Die proportionale Vergrößerung des "Motivs" ist notwendig geworden durch die Vergrößerung der Geschwindigkeit in allen Bereichen unseres Lebens. Diese Geschwindigkeit zwingt uns, ungeduldig und hastig zu sein. Wir geben uns keinen langen Kontemplationen mehr hin, wir haben die Liebe zum Detail verloren. Unsere Existenz ist kompliziert geworden ... Wir verlieren enorm viel Zeit... Wir wollen daher schneller aufnehmen, wir suchen den direkten, kraftvollen momentanen Schock. Große Formen, krasse Lokal-Farben kommen diesem neuen menschlichen Verlangen entgegen." (Vasarely 1953)
Schätzpreis: 18.000 €