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Attersee, Christian Ludwig

(Bratislava 1940 - lebt in Wien)

Attersee, Christian Ludwig
(Bratislava 1940 - lebt in Wien)
Fetthaus. Acryl, Lack u. Kohle auf Leinwand. 1977. 105 x 80 cm. Gerahmt.
Recto u. verso signiert, datiert u. betitelt.

Ausgestellt in: Attersee. Hannover, Kestnergesellschaft, 1985, Katalog-Nr. 13, S. 84; Attersee. Das Wogenweiter. Eindhoven, Stedelijk Van Abbemuseum, 1986; Attersee. Berlin, Nationalgalerie, 1986 sowie in: Attersee. Die gemalte Reise. Wien, Künstlerhaus u.a., 1990, Katalog-Nr. 80. - Der auch im Segelsport sehr erfolgreiche Künstler Attersee, eigentlich Christian Ludwig, stand Mitte der 1960er Jahre der Künstlergruppe "Wiener Aktionismus" nahe, mit deren Mitgliedern Gerhard Rühm, Hermann Nitsch und Günter Brus er bei verschiedenen Aktionen zusammenarbeitete. Durch das radikale Brechen von Tabus sollte die am Konsum orientierte Nachkriegs-Gesellschaft provoziert und insbesondere die versteckte bzw. unterdrückte Perversität der Spießbürger entlarvt werden. - Attersee sah sich zum einen als Teil, zum anderen als ausdrucksstarker Gegenpol der umstrittenen Bewegung. In seiner Anfangszeit suchte er als Objekt- und Aktionskünstler die Schöpfung eines Gesamtkunstwerks aus Text, Bild, Film und Klang, um sich später aber doch verstärkt der Malerei zuzuwenden. Bereits mit seinen ersten Ausstellungen, für die er 1965 nach Berlin umgezogen war, erhielt Attersee viel Aufmerksamkeit: seine "Gegenstandserfindungen", die Erotisches und Alltägliches verbanden, machten ihn zu einem anerkannten Vertreter der europäischen Pop Art. Das folgende Jahrzehnt nutzte Attersee für eine Radikalisierung seines Malstils: Er wandte sich von einem comicnahen, farbstarken Realismus ab und entwickelte einen elementaren, erotischen Surrealismus, den er von 1971 bis 1977 ausschließlich auf Karton zeichnete und malte. Vorliegendes Gemälde war, laut Aussagen des Künstlers, eines der drei ersten neuen Leinwandbilder in diesem Stil (Attersee. Hannover, Kestnergesellschaft, 1985, S. 44). - Hier vermengen sich in einem gewaltvollen Erscheinungsbild die Elemente ineinander, krallen sich fest, perforieren, durchstoßen und ergründen sich: ein einfaches Haus, ein Stück Fleisch, Schnäbel, Dornen, Henkel und Ösen. Farblich dominiert ein kräftiges Rot und sattes Schwarz sowie das Weiß des Fetts und der Tischdecke. Die Assoziationsmöglichkeiten sind breit gestreut. Bildprägend ist eine ungeheure Wucht, die alles zu durchdringen scheint. - Eine solch bildgewaltige Präsenz erlaubt dem Betrachter keinen Entzug. In kaum zu übertreffender Vehemenz konfrontiert uns das Werk wie ein Orkan, der alle menschliche Ordnung verhöhnt und diese in gnadenloser Brutalität mit sich reißt. Eine ungeschönte Realität, ehrlich, sinnlich und verstörend zugleich. Aufgrund seiner assoziativen Vielschichtigkeit und der malerischen Verve kann Attersee zu Recht als eine zentrale Gründerfigur einer Neuen Malerei in Österreich betrachtet werden. - Die Leinwand in den Ecken leicht gewellt.
Schätzpreis: 12.000 €